Wirtschaft

H&M Bericht zu Nachhaltigkeit und Löhnen stößt auf Skepsis

Schöne Worte, kein Beleg

Berlin.Aus Sicht des Textilkonzerns H&M ist alles auf einem guten Weg. Die Firma geht beispielsweise schonender mit der Umwelt um: Einige Kleidungsstücke werden aus Plastikabfall gefertigt, den man an Meeresstränden aufsammelt. Und die Beschäftigten in den weltweiten Zulieferfabriken sollen bessere Löhne erhalten. Zweifel an den Angaben zu Fortschritten hegt allerdings die Kampagne für Saubere Kleidung. Den Kritikern fehlen nachprüfbare Angaben im neuen Nachhaltigkeitsbericht von H&M, der gestern veröffentlicht wurde.

Eine zentrale Auseinandersetzung dreht sich um die Bezahlung der Arbeiter in den rund 1700 Zulieferfabriken, die der schwedische Konzern auch in Entwicklungsländern beauftragt. Nach Angaben von H&M hat man die eigenen Ziele für 2018 bereits erreicht oder wird das im Laufe diesen Jahres schaffen. Über die Hälfte aller H&M-Textilien stammen demnach aus Fabriken, in denen die Beschäftigten „demokratische Mitarbeiter-Vertretungen“ wählten. Und 40 Prozent der Produktion lieferten Firmen, die die sogenannte „Methode für fairen Lohn“ anwenden. Noch in diesem Jahr will H&M die 50-Prozent-Schwelle überspringen – ob das positive Auswirkungen für die Beschäftigten hat, ist allerdings ungewiss.

„Keine überprüfbaren Daten“

Maik Pflaum von der Christlichen Initiative Romero, Mitstreiter der Kampagne für Saubere Kleidung, ist skeptisch: „H&M nennt keine überprüfbaren Daten zur Höhe der Löhne.“ Tatsächlich fehlen diese im 100 Seiten langen Nachhaltigkeitsbericht. Welche Fabriken ihren Beschäftigten welche Gehälter bieten und wie sich diese zu den Lebenshaltungskosten im jeweiligen Land verhalten, wird nicht erwähnt.

Auch auf Nachfrage machen Sprecher des Konzerns dazu keine Angaben. Eine Begründung lautet, man könne keine sensiblen Daten über Auftragnehmer herausgeben. „Dass angeblich die Methode für faire Löhne angewendet wird, sagt überhaupt nichts Belastbares aus“, bemängelt Pflaum. Mit diesem Verfahren will das Unternehmen seine Zulieferer und ihre Beschäftigten in die Lage versetzen, miteinander über die Löhne zu verhandeln. H&M unterstützt beispielsweise die Wahl von Betriebsräten. Pflaum hält diese Strategie teilweise für „zynisch und verlogen“. Einerseits gebe H&M vor, den Arbeitern beispielsweise in Bangladesch in den Verhandlungen über höhere Bezahlung zu helfen, andererseits „verlagert der Konzern einen Teil der Fertigung in noch billigere Länder wie Äthiopien mit einem Monatslohn von 33 Euro“.