Wirtschaft

Seltsame Krise

Archivartikel

Mit einer bemerkenswerten Ruhe registrieren die Bürger, weite Teile der Wirtschaft und die sonst so sensiblen Finanzmärkte die Anzeichen für einen kräftigen Abschwung. Selbst der angekündigte Abbau vieler tausend Stellen bei großen Dax-Konzernen regt die Öffentlichkeit nicht auf. Die Aktienkurse steigen weiter an, obwohl die Gewinne der dort notierten Unternehmen nicht in gleichem Maße steigen. Es ist eine seltsame Krise, in die das Land gerade steuert.

Es gibt vermutlich mehrere gute Gründe für die Gelassenheit. Der Arbeitsmarkt läuft immer noch bestens. Es ist nicht so aussichtslos wie zum Beispiel in den Jahren nach der Wiedervereinigung, schnell wieder eine neue Beschäftigung zu finden und dem Staat geht es finanziell blendend. An den Börsen herrscht wohl auch deshalb Optimismus vor, da es angesichts der von den Zentralbanken ausgehenden Geldschwemme und den Niedrigzinsen kaum andere attraktive Anlagen gibt. Was nicht an die Börse geht, landet im Immobilienmarkt.

Doch sollten die bestehenden Risiken nicht einfach ausgeblendet werden. An die Drohung eines ungeregelten Brexit haben sich die Europäer mittlerweile so gewöhnt, dass dessen Folgen gar nicht mehr als bedrohlich wahrgenommen werden. Auch die internationalen Konflikte, vom Handel bis zum Nahen Osten, und die von einer digitalisierten Wirtschaft ausgehenden Veränderungen der Arbeitswelt werden noch zu wenig als Herausforderung begriffen. Das könnte sich rächen. Derzeit überlagert die Debatte um den Klimaschutz alle anderen Reformbaustellen. Dabei sind beide Themen existenziell.

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