Wirtschaft

Bergbau Konzern steht wegen einer Lieferung für ein riesiges Kohlebergwerk in Australien in der Kritik / Proteste von „Fridays for Future“ geplant

Siemens-Chef trifft auf Klima-Aktivistin

München.Kurz vor der erwarteten Entscheidung über die umstrittene Lieferung einer Zugsignalanlage für ein riesiges Kohlebergwerk in Australien trifft Siemens-Chef Joe Kaeser die „Fridays for Future“-Aktivistin Luisa Neubauer. Die Einladung zum Gespräch sei Anfang der Woche erfolgt, es finde am Freitag statt, sagte ein Konzernsprecher. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus dem Unternehmensumfeld erfuhr, könnte zudem noch diese Woche eine Entscheidung über die Lieferung fallen.

„Wir nehmen das Thema sehr ernst und nehmen uns die notwendige Zeit, unterschiedliche Perspektiven zu hören und zu diskutieren“, sagte ein Siemens-Sprecher zu dem Treffen am Freitag. Bereits im vergangenen Jahr hatte es Proteste gegen den Beitrag des Münchner Konzerns zu dem Milliardenprojekt gegeben. Erst im Dezember hatte sich ein Aktivist von Extinction Rebellion an ein Fenster der Konzernzentrale geklebt. Siemens-Chef Joe Kaeser hatte Mitte Dezember das Thema zur Chefsache gemacht und angekündigt, das Projekt auf den Prüfstand zu stellen. „Ich werde mir die Sache sorgfältig ansehen und mich bald zurückmelden“, schrieb Kaeser auf Twitter. Damals ließ er explizit offen, ob Siemens auf den Auftrag verzichten werde.

Die Entscheidung darüber steht nun aber offenbar kurz bevor. Siemens steht beim Auftrag für die Signalanlage für das Milliardenprojekt des indischen Industriekonzerns Adani vor einem Dilemma: Der Konzern hat sich selbst zum Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu werden, und betont immer wieder den klimaschonenenden Effekt seiner Technik. Doch für seinen Beitrag für das geplante Kohlekraftwerk steht der Münchner Konzern nun bei Klimaschützern mit am Pranger, denn die Verbrennung von Kohle setzt Kohlendioxid frei, was zur Erderwärmung beiträgt. Siemens nennt das Volumen seines Auftrags nicht, in Kreisen ist aber von einer Dimension von rund 20 Millionen Euro die Rede. Für Siemens-Verhältnisse ist das nicht viel, insbesondere, wenn man den Imageschaden bedenkt, der dem Unternehmen durch die Proteste droht. Für Freitag hat „Fridays for Future“ unter der Überschrift „Siemens schür keine Feuer“ zu Protesten vor Siemens-Büros in Deutschland aufgerufen. Unter anderem ist in München eine 24-stündige Mahnwache vor der Siemens-Zentrale geplant.

Zudem schrieb Neubauer Anfang der Woche in einem Gastbeitrag für die „Welt“: „Das Minenprojekt wird durch die Zusammenarbeit mit Konzernen wie Siemens erst möglich, die so (nicht nur) metaphorisch Kohle ins Feuer kippen. Während noch immer Menschen vor den Flammen fliehen, sind es eben genau solche Unternehmen, die zeigen müssen, was verantwortungsvolles Handeln bedeutet.“ Die Abkehr von dem Auftrag wäre „ein kleiner Schritt für den Konzern, aber ein großes Zeichen für Australien und den Rest der Welt“.

Adani will in Australien eines der größten Kohlebergwerke der Welt mit einer Breite von 45 Kilometern errichten, das aus fünf Untertageminen sechs Tagebaustätten bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr fördern soll. 

Zum Thema