Wirtschaft

Industrie Abgespaltenes Energiegeschäft des Konzerns mit rund 15 Milliarden Euro bewertet / Umweltschützer kritisieren „fossile Hypothek“

Siemens Energy enttäuscht zum Börsenstart

Archivartikel

Frankfurt.In München dürfte man sich etwas mehr erhofft haben. 22,01 Euro lautete am Montagmorgen der erste Kurs für die Aktien von Siemens Energy bei der Erstnotiz an der Frankfurter Börse. Analysten hatten nach der am Freitag festgezurrten Abspaltung der Sparte vom Münchner Technologie-Konzern mehr erwartet genauso wie wohl auch Siemens-Chef Joe Kaeser und Christian Bruch, der das jetzt eigenständige Unternehmen leitet. Im Handelsverlauf ging bis auf rund 23 Euro, ehe die Papiere dann schließlich bei einem Schlusskurs von 21,21 Euro landeten.

Siemens Energy wird an der Börse damit mit rund 15 Milliarden Euro bewertet. Es ist neben Siemens selbst und Siemens Healthineers das dritte Konzern-Unternehmen am Aktienmarkt. 35,1 Prozent der Anteile bleiben bei Siemens, 9,9 Prozent gehen an den Siemens Pensionsfonds, 55 Prozent halten die Siemens-Aktionäre. Siemens selbst will seine Beteiligung in den nächsten zwölf bis 18 Monaten weiter deutlich reduzieren. Vorstandschef Bruch ließ sich die Laune durch den etwas enttäuschenden ersten Preis nicht verderben: „Wir sind jetzt ein unabhängiges Unternehmen. Das ist ein Neuanfang.“

Milliardenschwere Aufträge

Die Aussichten auch für die rund 91 000 Beschäftigten in 90 Ländern seien bei einem Umsatz von 29 Milliarden Euro im vergangenen Jahr und einem Auftragsbestand von 77 Milliarden Euro hervorragend. ,,Wir sind Partner der Energiewende und wollen diese Chance nutzen“, sagte Bruch.

Zu Siemens Energy zählen zwei Sparten: die Kraftwerke und die Windenergie. Der am Montag ermittelte Preis war insofern enttäuschend, als Analysten den Wert allein der Kraftwerkssparte auf zehn bis 15 Milliarden Euro taxieren. Dazu kommt die Beteiligung von 67 Prozent am börsennotierten spanischen Windanlagen-Hersteller Siemens Gamesa, die derzeit zehn Milliarden Euro auf die Waage bringt.

Nach Ansicht von Umweltschützern geht Siemens Energy mit einer „fossilen Hypothek“ an die Börse. Die Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Urgewald kritisiert unter anderem die Beteiligung an einem neuen Gaskraftwerk in Israel und am Bau eines 2000 Megawatt starken Kohlekraftwerks in Indonesien. „Siemens Energy kennt die Gefahr, die von fossilen Geschäften ausgeht – in Bezug auf die eigene Reputation und auf Investoren –, zieht aber kaum Konsequenzen“, sagt Regine Richter von Urgewald. Bislang hat Siemens Energy-Chef Bruch nur versprochen, dass man „selektiver“ an Ausschreibungen für Kraftwerke teilnehmen werde.

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