Wirtschaft

Elektrotechnik Konzern bündelt Standort mit Erlangen

Siemens gibt Offenbach auf

Offenbach.Bei der Sanierung der Kraftwerks- und Antriebssparte von Siemens müssen sich die Mitarbeiter im Werk Offenbach auf harte Einschnitte einstellen. Der Standort, an dem rund 700 Beschäftigte Kraftwerke planen und bauen, werde wie bereits avisiert mit Erlangen gebündelt und „perspektivisch aufgegeben“, teilte der Dax-Konzern mit.

Ein Teil der Mitarbeiter solle aber weiter im Rhein-Main-Gebiet beschäftigt werden, etwa in Frankfurt. Wie viele dies genau sind, wurde nicht näher beziffert. Verhandlungen mit Arbeitnehmervertretern würden bald beginnen, sagte ein Sprecher. Ergebnisse sollten noch in diesem Geschäftsjahr vorliegen.

Die Offenbacher Bevollmächtigte der IG Metall, Marita Weber, sagte, es sei davon auszugehen, dass der Betrieb möglicherweise verlagert werde. Dabei sei ein Stellenabbau nicht auszuschließen.

Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) und Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sprachen von einem „bitteren Tag“ für die Beschäftigten. „Wir erwarten von Siemens, dass das Management kluge und nachhaltige Lösungen für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erarbeitet“, erklärten sie. Die Ankündigung, dass der „überwiegende Teil der Mitarbeiter“ bei dem Konzern in der Region verbleiben solle, sei ein erster wichtiger Schritt. Die Landesregierung setze darauf, dass Siemens mit der Gewerkschaft bis Jahresende eine möglichst sozialverträgliche Lösung erarbeite.

Als „sehr enttäuschend“ bezeichnete der SPD-Fraktionsvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel die Pläne. „Wir erwarten, dass Siemens jetzt soziale Verantwortung für die Betroffenen übernimmt“, sagte Schäfer-Gümbel. Arbeits- und Sozialminister Stefan Grüttner sprach von einer „harten Entscheidung“ für die Mitarbeiter, „die nun mit großer Sorge in die Zukunft schauen“. Der CDU-Politiker aus Offenbach fordere „nachhaltige Lösungen für die Mitarbeiter in der Region, von denen viele ihr ganzes Berufsleben bei Siemens gearbeitet haben“.

Siemens hatte vergangenes Jahr angekündigt, in den Sparten weltweit zusammen rund 6900 Jobs zu streichen, davon rund 3400 in Deutschland. Der Bereich steht unter Druck, weil die Nachfrage nach Kraftwerken mit dem Vordringen der erneuerbaren Energien sinkt. 2014 wurde das Kompetenzzentrum Dampfkraftwerke am Mannheimer Standort von Siemens abgewickelt, es gehörte organisatorisch zu Offenbach. Betriebsbedingte Kündigungen gab es keine. Einige der betroffenen Mitarbeiter wechselten damals in die hessische Stadt.

Görlitz gerettet

Die umstrittenen Schließungspläne für den Siemens-Standort im sächsischen Görlitz sind derweil endgültig vom Tisch. In der Nacht einigten sich der Konzern, Gesamtbetriebsrat und IG Metall auf einen Pakt. Görlitz soll zur weltweiten Zentrale für das Industriedampfturbinengeschäft ausgebaut werden. Indes seien auch dort Einsparungen nötig. Die ursprünglich geplante Schließung hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt.