Wirtschaft

Energie In Ludwigsburg entsteht Deutschlands größte Anlage mit Sonnenkollektoren – sie erzeugt auch Fernwärme

Solarthermie als Alternative

Archivartikel

Ludwigsburg.Es ist ein eingespieltes Team, das die Sonnenkollektoren in die vorgefertigten Halterungen einklinkt. 14 Quadratmeter groß und 250 Kilo schwer ist jedes der Elemente, die ein Kran mit langem Ausleger über die Baustelle schwingt. Die Endmontage der 1088 Kollektoren für Deutschlands größte Solarthermieanlage dauert nur wenige Tage. Bodo Skaletz, Geschäftsführer der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim, ist sichtlich stolz über das Projekt auf dem sogenannten Römerhügel, einem ehemaligen Müllabladeplatz: „Wir können damit sieben Prozent unseres Fernwärmebedarfs decken.“

Die Ludwigsburger haben sich den Einsatz von Sonnenenergie in der Fernwärme gut überlegt. Die Solarthermieanlage ist gekoppelt mit einem Holzheizkraftwerk – das steht im Sommer für mehrere Monate still. Da der Wärmebedarf dann vergleichsweise klein ist, reicht die Solarthermie für das gesamte Fernwärmenetz mit 1600 Anschlüssen. Überschüssige Energie soll ein neuer Wärmespeicher, der 2000 Kubikmeter Wasser fasst, gleich neben dem Heizkraftwerk aufnehmen. „Holz und Sonne ergänzen sich gut“, sagt Skaletz.

„Das Projekt war kein Selbstläufer“, gibt Skaletz unumwunden zu. Die Gemeinderäte mussten in mehreren Sitzungen überzeugt werden. Schließlich kostet die Anlage 15 Millionen Euro und wurde nur durch die zehn Millionen Euro Innovationszuschuss des Bundesumweltministeriums auch wirtschaftlich attraktiv. Skaletz: „Ganz ohne Zuschüsse rechnet es sich noch nicht.“ Knapp die Hälfte der Investitionskosten sei bei Standardanlagen als Förderung notwendig, damit sich durch den Umstieg auf erneuerbare Energie die Fernwärme für die Kunden nicht verteuert.

Vorbild Dänemark

Der Einsatz der Sonne zur Fernwärmeerzeugung ist eine erprobte Technologie, auf die Dänemark seit Jahrzehnten setzt. Schon nach der ersten Ölkrise in den 1970er Jahren begannen die Dänen, die Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren. Dort verfügen zwei Drittel aller Gemeinden über ein Fernwärmenetz, in Deutschland sind nur 14 Prozent aller Haushalte angeschlossen. „In Dänemark sind die großen Solarthermieanlagen so günstig wie Gasfeuerungen“, sagt Christian Stadler, Deutschland-Chef des Herstellers Arcon-Sunmark. 156 000 Quadradmeter Fläche hat die größte Anlage in Silkeborg, mehr als zehn Mal so viel wie die 14 800 Quadratmeter in Ludwigsburg.

In Deutschland hängen Fernwärmenetze oft an großen Kohlekraftwerken. So ist das zum Beispiel in Mannheim, wo das Netz 60 Prozent aller Haushalte in der Stadt bedient. Seit das Ende der Kohle zur Stromerzeugung absehbar ist, steigt der Druck. „Wir arbeiten intensiv an der Einbindung alternativer Energiequellen“, sagt ein Sprecher des Versorgers MVV Energie. In einem ersten Schritt werde das Müllheizkraftwerk Mannheim ans Fernwärmenetz angebunden – es kann 30 Prozent des Jahresbedarfs erzeugen.

In Ludwigsburg sind die Strategen von der Solarthermie überzeugt, obwohl für sie schwierige Rahmenbedingungen gelten: Die Sonne scheint dann am intensivsten, wenn der Wärmebedarf am geringsten ist. Martin Klein, der Teamleiter für den Bereich Innovative Energielösungen, verweist auf die Einsparung von 44 700 Tonnen CO2 im Jahr. Für ihn liegen die Vorteile auf der Hand: „Kein Brennstoff, kein Lieferverkehr, keine Emissionen und eine seit langem bewährte Technologie.“

Die Anlage liegt genau an der Gemarkungsgrenze der Städte Ludwigsburg und Kornwestheim. Trotzdem war nur ein Kilometer Anschlussleitung zum Fernwärmenetz erforderlich. Wenn das Technikgebäude fertig ist, soll noch in diesem Jahr die Testphase beginnen. Die Einweihung ist dann im sonnigen Mai geplant.

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