Wirtschaft

Brexit Theresa May will mehr Zeit für Nachverhandlungen mit EU / Studie zu Arbeitsmarkt

Sorge um deutsche Jobs

Berlin.Ein ungeordneter Brexit könnte nach neuen Berechnungen die Arbeitsplätze von 100 000 Menschen in Deutschland gefährden. Das ergab eine Simulation von Wissenschaftlern des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, über die die „Welt am Sonntag“ berichtete.

Ob es eine Einigung gibt und vor allem wann, ist allerdings weiter unklar. Gestern bestätigte eine Sprecherin der britischen Regierung der Deutschen Presse-Agentur, dass Premierministerin Theresa May das Parlament in London noch einmal um mehr Zeit für Nachverhandlungen mit der EU bitten wolle.

Für eine Abstimmung über das weitere Vorgehen ist demnach nun der 27. Februar vorgesehen. Die Opposition wirft May vor, Zeit zu schinden, um die Abgeordneten kurz vor dem Brexit-Datum am 29. März in einer Friss-oder-stirb-Abstimmung vor die Wahl zwischen ihrem Vertrag mit der EU und einem ungeregelten Brexit zu stellen.

Dass es überhaupt ein Abkommen Großbritanniens mit der EU gibt, dürfte auch für deutsche Arbeitnehmer von Interesse sein, wenn man der Untersuchung aus Halle folgt: „In keinem anderen Staat ist der Effekt auf die Gesamtbeschäftigung so groß wie in Deutschland“, sagte einer der Studienautoren, Oliver Holtemöller, der Zeitung.

Nach einem ungeregelten Brexit würden wieder Zölle auf Importe nach Großbritannien erhoben. Die Simulation der Wissenschaftler erfasse nur Jobeffekte, die auf den daraus folgenden Exporteinbruch zurückzuführen seien. Weitere Brexit-Gefahren für den Arbeitsmarkt, etwa sinkende Investitionsbereitschaft, bildeten die Zahlen nicht ab.

In Deutschland sei demnach von einem Exportrückgang vor allem die Autoindustrie betroffen. Nach Deutschland sei Frankreich das EU-Land, dessen Arbeitsmarkt durch einen ungeregelten Brexit am stärksten bedroht sei. Weltweit könnten den Berechnungen zufolge nach einem ungeregelten Brexit 612 000 Menschen ihre Arbeit verlieren. dpa