Wirtschaft

Finanzen Mehr als ein Viertel der Anbieter hat laut Verbraucherschützern „ernste Probleme“

Sorge um Lebensversicherer

Archivartikel

Hamburg.Die deutschen Lebensversicherungen sind nach einer Analyse des Bundes der Versicherten zum Teil in einer schwierigen Lage. „Mehr als ein Viertel der untersuchten Unternehmen hat ernste Probleme“, sagte der Vorstandssprecher des Vereins, Axel Kleinlein, am Mittwoch. 22 von 84 untersuchten Versicherern hätten entweder eine zu geringe Zahlungsfähigkeit oder eine negative Gewinnerwartung. Die Auswertung basiert auf den von der EU vorgeschriebenen Berichten, in denen die Versicherer ihre Finanzlage offenlegen müssen.

Im Moment stünden die Anbieter in einer dreifachen Stresssituation: Die Zinsen seien niedrig, es gebe Unsicherheit bei den Unternehmensanleihen, und die Corona-Krise mache sich bemerkbar. „Die Tektonik der Lebensversicherer ist in Gefahr“, meinte Kleinlein. Die Versicherer sollten ihr Eigenkapital stärken und ihre Anlagen diversifizieren.

Dabei dürften sie aber nicht in die Taschen der Versicherten greifen, betonte Kleinlein. In den Reserven der Versicherer schlummerten 100 Milliarden Euro an Kundengeldern. Jetzt müssten die Unternehmen und Aktionäre für eine Kapitalerhöhung sorgen. Die Probleme der Versicherer lägen vor allem in den zu hohen Garantiezinsen aus den 90er Jahren - wobei nach Ansicht von Kleinlein nicht die Höhe das eigentliche Problem darstellt, sondern die langfristige Kalkulation.

Branche beschwichtigt

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft erklärte, die Solvenzquote – also das Verhältnis von vorhandenen zu erforderlichen Eigenmitteln – sei in der Lebensversicherung weiter auskömmlich. Ende 2019 habe die Quote weit über dem vorgeschriebenen Niveau gelegen. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie ließen sich derzeit noch nicht abschätzen, auch weil die Effekte zum Teil gegenläufig seien.

Verbandssprecher Christian Ponzel räumte ein, dass die Solvenzberichte für Nicht-Experten schwer verständlich seien. Der Verband plädiere dafür, zwei Arten von Berichten vorzulegen: einen für die Fachöffentlichkeit, einen für die Verbraucher. In diesem Punkt sieht der Bund der Versicherten Fortschritte. Der Verein will die Transparenz künftig mit einem Siegel würdigen. 

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