Wirtschaft

Finanzen Baden-württembergische Institute reichen im ersten Halbjahr so viele Kredite an Unternehmen aus wie noch nie

Sparkassen auf Rekordkurs

Archivartikel

Stuttgart.„Wir haben ein Wachstum wie noch nie“, schwärmt Baden-Württembergs Sparkassenpräsident Peter Schneider. Dabei muss man bedenken, dass der Verbandschef sonst eher zu Zurückhaltung neigt. Doch nun nimmt Schneider die Kennzahlen der 51 Sparkassen im Land für das erste Halbjahr 2018 als Beleg, dass „die Wirtschaft brummt“. Um sieben Prozent ist das Kreditvolumen der Unternehmen gewachsen. In den ersten sechs Monaten wurden den Unternehmenskunden 7,1 Milliarden Euro neue Darlehen zugesagt. „Da zeigt sich der sehr große Konjunkturoptimismus“, betont der Präsident. Es handle sich „um die höchsten Werte in der Geschichte des Sparkassenverbandes“.

Erst auf Nachfrage kommt Schneider ausführlicher auf die Risiken durch den Streit um Zölle und Handelsbeschränkungen. „Die Risiken sind gewachsen“, sagt er. Gerade für die in Baden-Württemberg dominierende Automobilindustrie. Bei ihr habe auch die Binnendiskussion um Dieselskandal und Luftschadstoffe Bremsspuren hinterlassen. Aber die Firmen seien inzwischen gut aufgestellt und könnten Belastungen verkraften. Am Ende aller Stressszenarien geht es um die aktuellen Zahlen – und die seien nun mal hervorragend.

Weitere Filialschließungen

Für die Sparkassen fällt die Bilanz nicht so gut aus, weil der Zinsüberschuss weiter zurückgeht. Das führe zu „etwas niedrigen Ergebnissen“, erläutert Schneider. Am Ende würden die Bilanzen ordentlich ausfallen. Die Institute könnten ihre Kosten nicht schnell genug senken. Trotzdem rechnet er nicht mit einer größeren Flurbereinigung unter den noch 51 baden-württembergischen Sparkassen. Es könnte sein, dass es noch zu ein paar Zusammenschlüssen kommt. „In fünf Jahren sind es vielleicht noch 47“, bleibt er vage. Bei den Filialen rechnet er mit weiteren Schließungen, „aber nicht mehr mit der Intensität der letzten Jahre“. Bis Juni haben die Institute 13 Filialen geschlossen und weisen einen Bestand von 2087 Standorten aus.

Inzwischen wickle etwa die Hälfte der Privatkunden ihre täglichen Bankgeschäfte übers Internet ab. Trotzdem würden viele etwa für größere Beratungen zur Altersvorsorge oder Immobilienfinanzierung Wert auf eine Filiale legen. Deswegen blieben die Sparkassen in der Fläche präsent, auch wenn das teuer sei.