Wirtschaft

Mobilität Martin Schulz bringt EU-Quote für Elektroautos ins Spiel / Praxistest von Strom-Lkw ab Ende 2018 in Hessen

SPD will Druck auf Hersteller erhöhen

Berlin/München.Mit der Forderung nach verbindlichen Quoten für Elektroautos in der EU hat die SPD die Debatte um Diesel-Abgase und drohende Fahrverbote angeheizt. Für seinen Vorstoß bekam Kanzlerkandidat Martin Schulz gestern Unterstützung von zwei SPD-Ministerinnen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wollte sich zunächst nicht auf eine Position festlegen. Die EU-Kommission hatte allerdings erst Anfang der Woche mitgeteilt, eine solche Quote sei nicht geplant.

Die Quote solle nicht für die Autobauer gelten, sondern für Neuzulassungen, erläuterte Schulz seinen Vorschlag, der Teil eines Fünf-Punkte-Plans zur Zukunft des Automobilstandorts Deutschland ist. Der Staat müsse einen E-Auto-Anteil festlegen, etwa bezogen auf die Einwohnerzahl. Das sei ein Anreiz für die Autobauer, sich auf diesem Markt eine gute Position zu sichern.

Ursprüngliches Ziel scheitert wohl

Deutschland fördert Elektroantriebe bereits unter anderem mit Kaufprämien. Das Ziel, bis 2020 eine Million Elektroautos auf der Straße zu haben, gelte weiter, sagte Regierunssprecher Steffen Seibert. Merkel hatte im Mai erklärt, es würde - Stand jetzt - wohl nicht erreicht. Jeder Vorschlag, der mehr Dynamik beim Ausbau zum Ziel habe, sei "erst einmal willkommen", sagte Seibert. Laut Auto-Branchenverband VDA lag der E-Auto-Anteil bei Neuzulassungen in Deutschland im ersten Halbjahr 2017 bei 1,3 Prozent - das ist immerhin ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Vorjahr.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sagte der Deutschen Presse-Agentur, sie rechne mit einem Vorschlag aus Brüssel zu künftigen CO2-Grenzwerten, der auch eine Quote für E-Autos enthalten werde. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) glaubt, das könne "den Druck auf die Hersteller erhöhen, bedarfsgerechte Elektro-Autos anzubieten".

Der VDA zeigte sich dagegen skeptisch: Für die Elektromobilität gebe es "wirksamere und marktwirtschaftlich überzeugendere Anreize". Dazu zählten eine ausgebaute La-deinfrastruktur und Privilegien für die Elektromobilität, etwa Parken in Innenstädten. Die IG Metall betonte, dass das Problem nicht mit "Aussitzen" zu lösen sei. "Der Markt wird es nicht richten, wenn wir diesen Transformationsprozess meistern wollen und es dabei gerecht zugehen soll", sagte Gewerkschaftschef Jörg Hofmann.

E-Lastwagen auf der A5

In Hessen sollen elektrische Oberleitungs-Lastwagen von Ende 2018 an testweise über die A5 rollen. Das Land beauftragte den Siemens-Konzern mit dem Bau einer Oberleitungsanlage auf einer zehn Kilometer langen Strecke zwischen dem Frankfurter Flughafen und Darmstadt, wie Siemens gestern in München mitteilte. dpa