Wirtschaft

Volkswagen Automobilbauer denkt über Umbaumaßnahmen in der Konzernspitze nach

Spekulation um Vorstandschef

Wolfsburg.Es ist einer der aufreibendsten Jobs in der Autobranche. Als VW-Chef steht Matthias Müller im Diesel-Skandal unter der Dauerbeobachtung von Medien, Investoren und Ermittlern. Nachdem 2015 die Manipulationen an Millionen Dieselwagen bekanntwurden, übernahm Müller von Martin Winterkorn das Ruder in Wolfsburg. Jetzt steht er vor der Ablösung an der Spitze der VW-Gruppe. Sein Nachfolger soll Kernmarken-Chef Herbert Diess werden, wie es aus dem Umfeld des Aufsichtsrats und des Managements heißt.

Kontrolleure ziehen die Strippen

Die Nachricht schlug gestern ein. Volkswagen denke über Umbaumaßnahmen im Vorstand nach, erklärte das Unternehmen zunächst nur recht allgemein und etwas kryptisch. „Dazu könnte auch eine Veränderung im Amt des Vorstandsvorsitzenden gehören.“ Mehrere Medien wie das „Handelsblatt“ berichteten über das Thema.

Aber steht tatsächlich der harte Schnitt bevor, nach dem es aussieht? Ob der 64-jährige Müller am Ende wirklich gehen muss, ist bis auf Weiteres unklar. Eigentlich läuft sein Vertrag bis 2020. Noch ziehen die mächtigen Kontrolleure ihre Strippen: die Mehrheitseigner der Familien Porsche und Piëch, die Arbeitnehmer um Betriebsratschef Bernd Osterloh, das Land Niedersachsen, das Scheichtum Katar.

Aus dem Umfeld der Aufseher ist zu hören, dass verschiedene Szenarien durchgespielt werden. Eines könnte die stärkere Aufteilung des Zwölf-Marken-Konzerns in eine Premiumgruppe mit Audi, Porsche & Co. auf der einen sowie eine Volumengruppe mit VW, Skoda und Seat auf der anderen Seite sein. Schon Vorgänger Winterkorn hatte ähnliche Gedanken, als er 2007 sein Amt antrat. Das mündete dann zwar in eine engere Zusammenarbeit der Marken bei der Entwicklung. Sie blieben aber weiter unter einem Konzerndach mit dem Machtzentrum Wolfsburg.

Eine stärkere Selbstständigkeit hatte Müller selbst in seiner Amtszeit angestoßen, auch wenn er nicht der Erfinder dieser Strategie war. Bei Volkswagen können die Einzelmarken zwar theoretisch im Einkauf oder bei der Entwicklung ihre Marktmacht bündeln – allerdings ist das VW-Imperium über die Jahre auch immer unübersichtlicher und schwieriger zu organisieren geworden. Hinter vorgehaltener Hand stöhnten viele Beschäftigte über ausufernden Zentralismus, allzu kleinteilige Vorgaben und nach wie vor starre Hierarchien.

Krise mit dem Diesel-Skandal

Der Diesel-Skandal 2015 war der Anlass, vieles bei VW auf den Prüfstand zu stellen. In diesem Sinne wollte Müller die schwere Krise auch als Weckruf oder Chance verstanden wissen. Als Vorstandschef schob er Reformen zumindest an. Eine neue Führungskultur, etwa mit regelmäßigen Sprechstunden auch für einfache Arbeiter und Angestellte. Mehr Eigenständigkeit von Marken und Regionen.

Doch er trat auch immer wieder in Fettnäpfchen. Als Kunden, Politiker und Aufsichtsbehörden kurz nach dem Bekanntwerden der Manipulationen eine Entschuldigung erwarteten, ging Müller in einem Radiointerview in Abwehrhaltung. VW habe in der Affäre bloß Gesetze falsch ausgelegt – der Abgas-Skandal sei kein ethisches, sondern eher ein rein „technisches Problem“. Es folgte ein Sturm der Entrüstung. Später polterte er gegen aus seiner Sicht unfaire Medienberichterstattung.

Und auch beim Reizthema Vorstandsgehälter machte er nicht immer eine glückliche Figur. Auf die Frage etwa, wie er denn die Erhöhung seiner Jahresbezüge von 7,2 auf 10,1 Millionen Euro von 2016 auf 2017 rechtfertige, antwortet er bei der Vorlage der Zahlen Mitte März lapidar: Da sei ja der Aufsichtsrat zuständig.

Kanzlerin Angela Merkel gab sich „erstaunt“ über das Gehaltsplus, der neue Verkehrsminister Andreas Scheuer forderte „eine höhere Sensibilität“.

Sein möglicher Nachfolger ist ein ganz anderer Typ. Der einstige BMW-Manager Herbert Diess (59) spricht eher leise und ist zumindest nach außen das Gegenteil von einem Heißsporn. Den Konflikt – vor allem mit den Arbeitnehmervertretern - scheut er allerdings nicht.