Wirtschaft

Verlag Wissenschaftsspezialist mit Standort in Heidelberg will 1,2 Milliarden Euro erlösen und damit Schulden abbauen

Springer Nature bereitet Börsengang vor

Berlin/Heidelberg.Der Wissenschaftsverlag Springer Nature plant einen milliardenschweren Börsengang. Das hat das Unternehmen mit Sitz in Berlin, das einen großen Standort in Heidelberg hat, gestern bekannt gegeben. Demnach soll über eine Kapitalerhöhung an der Frankfurter Wertpapierbörse ein Erlös von rund 1,2 Milliarden Euro erzielt werden.

Die Kapitalerhöhung würde bedeuten, dass Springer Nature neue Aktien ausgibt, die an der Börse angeboten werden. Derzeit hält die Holtzbrinck Publishing Group (HPG) 53 Prozent an dem Wissenschaftsverlag, der britische Finanzinvestor BC Partners 47 Prozent. HPG will laut Mitteilung – im Gegensatz zu BC Partners – keine Anteile abgeben und als langfristiger Gesellschafter aktiv bleiben.

Mit dem Emissionserlös sollen die Finanzen gestärkt werden. Geplant sei eine Reduzierung der Verschuldung von rund drei auf zwei Milliarden Euro, erklärte eine Sprecherin. „Der angestrebte Börsengang wird uns helfen, unsere künftige Entwicklung zu beschleunigen“, sagte Vorstandschef Daniel Ropers gestern.

Ein Zeitplan für den Börsengang wurde nicht genannt. Anleger will der Verlag mit hohen Dividenden locken. Für 2018 soll die Ausschüttung bei 110 Millionen Euro liegen, künftig sollen 50 Prozent des bereinigten Jahresergebnisses als Dividende ausgezahlt werden.

Der künftige Aufsichtsrat des Unternehmens unter Führung von Stefan von Holtzbrinck, Vorstandsvorsitzender der HPC, ist prominent besetzt, unter anderem mit Bernd Scheifele, dem Chef von HeidelbergCement, und Merck-Chef Stefan Oschmann. Das gewährleiste Stabilität und Kontinuität, so der Konzern – auch wegen der Unterstützung von HPG. „Wir werden besonders vom starken Engagement von Stefan von Holtzbrinck profitieren, der unser Geschäft bestens versteht und unsere Vision für das Unternehmen teilt“, wie Ropers erklärte.

Am Heidelberger Standort von Springer Nature arbeiten rund 900 Mitarbeiter, weltweit sind es 13 000. Für die Beschäftigten bedeute der Börsengang keine Veränderung, so die Verlagssprecherin. „Das Geschäft läuft weiter wie gehabt.“

Mehrere Eigentümerwechsel

Springer Nature machte 2017 einen Umsatz von 1,64 Milliarden Euro. Der Konzern entstand 2015 aus dem Fachverlag Springer Science (Wissenschaftspublikationen und Fachblätter wie die „ÄrzteZeitung“) und einem Großteil der Bildungssparte Macmillan Science und Education von Holtzbrinck (Zeitschriftentitel wie „Nature“ oder „Spektrum der Wissenschaft“). Springer Science hatte da bereits mehrere Eigentümerwechsel hinter sich. 2013 war der Verlag für mehr als drei Milliarden Euro von BC Partners übernommen worden. Springer Nature hat nichts mit dem Verlag Axel Springer zu tun, der unter anderem die „Bild“-Zeitung herausgibt.