Wirtschaft

Finanzen Ehemalige Tochtergesellschaft der Deutschen Bank im Zwielicht / Kunden sollen Steuern hinterzogen haben

Spur führt in die Karibik

Frankfurt.Die Deutsche Bank hatten die Ermittler diesmal nicht im Visier. Den Namen erwähnte der Frankfurter Oberstaatsanwalt Noah Krüger am Mittwoch ohnehin nicht. Ziel der bundesweiten Razzia der Staatsanwaltschaft Frankfurt, des Bundeskriminalamtes und mehrerer Finanzämter waren diesmal Wohnräume von acht offensichtlich vermögenden Privatpersonen, die Geschäftsräume von elf Banken und Sparkassen sowie von Steuerberatern und Vermögensverwaltern. Namen nennen die Ermittler nicht, sie betonen auch ausdrücklich, dass bis zum Abschluss der Verfahren die Unschuldsvermutung gelte.

Zeitaufwendige Auswertung

Anlass und Vorwurf der Durchsuchungen: Die acht Personen sollen mithilfe einer ehemaligen Tochtergesellschaft „einer deutschen Großbank“ auf den Britischen Jungferninseln Gesellschaften in Steueroasen gegründet haben. Damit sollen sie Kapitalerträge vor dem deutschen Fiskus verborgen und Steuern hinterzogen haben.

Dass es sich bei der Großbank um die Deutsche Bank handelt, daran lassen die Ermittler gleichwohl keinen Zweifel. Denn auf die Erkenntnisse über die acht Privatpersonen waren sie nach Angaben von Krüger durch Unterlagen im Zusammenhang mit den „Panama Papers“ gestoßen, die sie Ende November vergangenen Jahres bei einer spektakulären Großrazzia mit 170 Ermittlern in der Zentrale der Deutschen Bank an der Frankfurter Taunusanlage und anderen Räumen des Instituts beschlagnahmt hatten.

Damals ging es um die mögliche Unterstützung bei Geldwäsche. Ein Sprecher der Bank beeilte sich am Mittwoch zu betonen, dass es sich diesmal nicht um ein Ermittlungsverfahren gegen das Institut, sondern gegen Privatpersonen handele. Man kooperiere mit der Staatsanwaltschaft und werde alle Unterlagen freiwillig herausgeben.

Die Auswertung der beschlagnahmten Unterlagen und der digital festgehaltenen Daten wird nach Angaben von Oberstaatsanwalt Krüger „erhebliche Zeit“ in Anspruch nehmen. Hinter den Vorgängen verbirgt sich dem Vernehmen nach eine Gesellschaft mit dem Namen „Regula Limited“ mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln in der Karibik östlich von Puerto Rico. Das Unternehmen hat die Deutsche Bank im März vergangenen Jahres verkauft.

Regula Limited war offensichtlich Teil eines Netzwerks, mit dem Kunden zwischen 2013 und 2018 Gesellschaften in Steueroasen gründen konnten, um damit Erträge zu verschleiern und Zahlungen an den Fiskus zu vermeiden, also Steuern zu hinterziehen. Und möglicherweise auch Geld aus kriminellen Geschäften zu waschen.

Allein 2016 soll sich die Gesellschaft nach Angaben der Behörden um 900 Kunden mit einem Volumen von 311 Millionen Euro gekümmert haben. Derzeit ermitteln die Behörden konkret gegen zwei Beschäftigte der Bank. Insgesamt hatten die „Panama Papers“ aufgezeigt, dass auch 14 deutsche Banken mehr als 1200 Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen gegründet hatten.