Wirtschaft

Dieselskandal Ex-Audi-Chef kritisiert Staatsanwaltschaft

Stadler wehrt sich

München.Der frühere Audi-Chef Rupert Stadler hat im Prozess um manipulierte Dieselabgaswerte schwere Vorwürfe gegen die Münchner Staatsanwaltschaft und gegen ehemalige Audi-Motorenentwickler erhoben. Zugleich räumte er seine „firmenpolitische Verantwortung“ für die Schäden durch den Dieselskandal ein: „Dass es mir nicht gelungen ist, diesen Schaden zu verhindern, das mache ich mir persönlich zum Vorwurf“, sagte Stadler bei seiner ersten Aussage vor dem Landgericht München. Im Kreise der Motorenentwickler habe es an Unrechtsbewusstsein gefehlt. „Tarnen und Täuschen war lange Teil einer Arbeits-, vielleicht auch einer Angstkultur“, kritisierte Stadler. Wenn sie schon im Herbst 2015 „die Hosen runtergelassen“ und ihr Wissen offenbart hätten, wäre Audi viel erspart geblieben. Doch trotz Absetzung ihrer Chefs, eines Amnestie-Programms und Aufrufen zur Aufklärung hätten die Techniker geschwiegen.

Verärgert zeigte sich Stadler über den Umgang der Staatsanwaltschaft mit seiner Person. „Die Staatsanwaltschaft hat nicht das Recht, mich bewusst schlechter als andere Verfahrensteilnehmer zu behandeln“. Er erwarte eine „faire und absolut neutrale Behandlung“, forderte er. Die Anklage wirft Stadler vor, er habe es ab September 2015 zumindest für möglich gehalten, dass auch in Europa Dieselautos mit geschönten Abgaswerten verkauft wurden. Trotzdem habe Stadler Produktion und Verkauf ein Jahr lang weiterlaufen lassen, um den Umsatz der VW-Tochter nicht zu gefährden. Stadler wies das entschieden zurück.

200 Mails pro Tag erhalten

Mit Stadler zusammen stehen der ehemalige Audi-Motorenchef und Porsche-Technikvorstand Wolfgang Hatz sowie zwei leitende Ingenieure vor Gericht. Sie sollen ab 2008 mehr als 400 000 Dieselmotoren so manipuliert haben, dass sie Abgastests bestehen, auf der Straße aber mehr Stickoxide ausstoßen.

Stadler trug vor, was er als Audi-Vorstandschef und VW-Vorstandsmitglied alles um die Ohren gehabt hat. Bis zu 200 E-Mails täglich seien bei seinem Sekretariat eingegangen, einen Großteil davon habe er nie gesehen. In seinem Büro in Ingolstadt sei er bestenfalls ein paar Stunden pro Woche gewesen. dpa

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