Wirtschaft

Konjunktur Industrie-Erzeugung im zweiten Quartal gesunken / Autozulieferer Continental will nach Gewinneinbruch Jobs streichen

Stärkstes Produktionsminus seit 2009

Wiesbaden.Die Anzeichen für eine Konjunkturflaute in Deutschland mehren sich: Die seit geraumer Zeit schwächelnde Industrie produzierte im zweiten Quartal weniger als im ersten Vierteljahr, auch im Juni gab es ein Minus, wie aus am Mittwoch veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Die exportorientierte deutsche Industrie leidet unter internationalen Handelskonflikten, den Unwägbarkeiten des Brexits und dem Strukturwandel in der Autoindustrie.

„Härter als erwartet“

Die Produktion im verarbeitenden Gewerbe sank im Juni nach Angaben der Wiesbadener Behörde im Vergleich zum Vormonat um 1,5 Prozent. Der Rückgang war um ein Vielfaches stärker, als Analysten im Mittel angenommen hatten. „Die Produktionsdaten für den Juni verheißen nichts Gutes für die deutsche Konjunktur. Der deutliche Rückgang der weltweiten Industrienachfrage trifft die deutsche Wirtschaft härter als erwartet“, sagte Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater.

Im Vergleich zum Vorjahresmonat ging die Erzeugung um 5,2 Prozent zurück. Das ist der stärkste Rückgang seit November 2009 – als im Verlauf der internationalen Finanzkrise die Wirtschaft einbrach. Im zweiten Quartal schrumpfte die Produktion im Vergleich zu den ersten drei Monaten um 1,8 Prozent. Sowohl die Industrie als auch das Baugewerbe und die Energieerzeugung verzeichneten Rückgänge. „Die Industrie bleibt konjunkturell im Abschwung“, resümierte das Bundeswirtschaftsministerium.

Aus Sicht des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI) ist die Entwicklung nicht überraschend. „Die globale Investitionsschwäche und ein sehr schwacher weltweiter Automobilmarkt sind ursächlich“, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. Die Lage drohe wegen der eskalierenden Handels- und Währungskonflikte von Herbst an noch schlimmer zu werden. „Sie vergrößern die Unsicherheit, bremsen den Außenhandel und dämpfen das weltwirtschaftliche Wachstum erheblich.“

Auch Carsten Brzeski, ING-Chefvolkswirt für Deutschland, sieht aktuell keinen „Silberstreifen am Horizont“. Aussicht auf Besserung scheint in der Tat vorerst nicht in Sicht. Die deutsche Industrie erwartet in den nächsten drei Monaten einen weiteren Produktionsrückgang, heißt es in der aktuellen Konjunkturumfrage des ifo-Instituts.

Auch Bosch plant Stellenabbau

Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental kündigte am Mittwoch an, nach dem jüngsten Gewinneinbruch Stellen zu streichen. Weitere Details wurden zunächst nicht genannt Der auf die Aktionäre entfallende Gewinn sackte im zweiten Quartal um 41 Prozent auf 484,8 Millionen Euro ab. Am Vortag hatte bereits der vor Conti weltweit größte Autozulieferer Bosch mitgeteilt, dass die schwächere Nachfrage vor allem nach Dieselmotoren Stellen kosten werde. Der Autozulieferer ElringKlinger rutschte wegen der Flaute an den Automärkten weltweit im zweiten Quartal in die roten Zahlen. dpa

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