Wirtschaft

Familienunternehmen Zu hohe Steuern, Energie- und Arbeitskosten – ZEW Studie zeichnet schlechtes Bild für Bundesrepublik

Standort Deutschland weniger attraktiv

Berlin.Deutschland fällt im internationalen Standortvergleich für Familienunternehmen immer weiter zurück. In einem aktuellen Vergleich von 21 Industrienationen rutscht Deutschland auf Platz 17 zurück. Dies hat der „Länderindex Familienunternehmen“ ergeben, der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen während der Pandemie erstellt wurde. Auf den vorderen Plätzen liegen die USA, Großbritannien, die Niederlande, Kanada und Dänemark.

USA an der Spitze

Einen Spitzenwert erreicht Deutschland nur beim Thema Finanzierung. Positiv fällt dabei ins Gewicht, dass sowohl die öffentliche als auch die private Verschuldung gering sind, heißt es in der Studie. Zudem seien die Finanzierungsbedingungen günstig. Schlechte Noten gibt es jedoch „für ihre Passivität in der Steuerpolitik“ aus und in den Bereichen Arbeitskosten und Humankapital.

Schuld daran seien maßgeblich die vergleichsweise hohen Unternehmenssteuern. Auch in der Kategorie Energie landet Deutschland im Staatenvergleich nur im hinteren Drittel. Zwar sei die Energieversorgung sehr sicher, doch die Strompreise sehr hoch. Die digitale Infrastruktur sei unzureichend.

„In den vergangenen Jahren haben wir uns sehr stark auf die Verteilung des Wohlstands konzentriert“, analysiert Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. „Jetzt kommt es dringend darauf an, Deutschland wettbewerbsfähiger zu machen. Wir müssen im Steuerwettbewerb wieder Anschluss gewinnen, Energiekosten reduzieren und in die unzureichende Infrastruktur investieren.“

Die USA haben sich indes auf die Spitzenposition vorgearbeitet. Verantwortlich dafür ist laut Studie maßgeblich die 2018 in Kraft getretene Steuerreform. Sie sah zum Beispiel eine Absenkung der Körperschaftsteuersätze auf Bundesebene von 35 auf 21 Prozent vor. Herausragend seien die USA auch in den Bereichen Regulierung, Finanzierung und Energie. Großbritannien leide durch die Unsicherheiten durch den Brexit. Die Schwächung des Rechtsstaates schlage sich wiederum auf ein schlechteres Abschneiden von Polen und Ungarn nieder.

Die Wissenschaftler sehen einen enormen Handlungsbedarf. „Der Länderindex macht deutlich, dass Deutschland hinsichtlich der steuerlichen Belastung der Unternehmen inzwischen im Vergleich mit den europäischen und amerikanischen Wettbewerbern ins Hintertreffen geraten ist.“ Kurzfristig sei es geboten, die steuerliche Verlustverrechnung auszuweiten, um wirtschaftliche Folgen der Corona-Krise abzumildern, heißt es in der ZEW-Studie: „Um langfristig aus steuerlicher Sicht wettbewerbsfähig zu bleiben, wird eine umfassende Steuerreform Deutschlands unerlässlich sein.“

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