Wirtschaft

BASF Bei der Online-Hauptversammlung gibt es Kritik an der üppigen Dividende / Kurt Bock neuer Aufsichtsratschef

Stiller Abschied für Hambrecht

Archivartikel

Ludwigshafen.Ein leichtes Lächeln, ein energisches Nicken – so nimmt Jürgen Hambrecht die Lobeshymne von BASF-Vorstandschef Martin Brudermüller entgegen. „Ohne Jürgen Hambrecht ist die Erfolgsgeschichte von BASF nicht vorstellbar“, sagt Brudermüller über den Mann, der am Donnerstag seine letzte Hauptversammlung leitete.

Nach fünf Jahren als Aufsichtsratschef und Jahrzehnten bei dem Ludwigshafener Konzern verabschiedet sich der 1946 in Reutlingen geborene Chemiker – ohne große Gesten und auch ohne den Applaus der Aktionäre. Denn die Hauptversammlung findet wegen der Corona-Pandemie nur virtuell statt. Hambrecht war fünf Jahre lang Vorsitzender des Kontrollgremiums, von 2003 bis 2011 war er BASF-Vorstandschef. Nur kurz geht Hambrecht in seiner Einleitung auf den Abschied ein, doch die wenigen Worte haben es in sich: Die fast 44 Jahre bei dem Chemiekonzern seien „sehr intensiv und herausfordernd“ gewesen, erklärt Hambrecht. Und er dankt seiner Familie für ihr Verständnis dafür, „dass BASF immer meine erste Priorität, mein Leben war und ist“.

Erfolg als Krisenmanager

Vorstandschef Brudermüller bezeichnet den Ausbau des Asien-Geschäfts als eine von Hambrechts herausragenden Leistungen. Der Bau des Verbundstandortes im chinesischen Nanjing sei eine „Pioniertat“. Außerdem verweist Brudermüller auf Hambrechts Rolle als oberster Krisenmanager in der Finanzkrise 2008/9. Diese Krise meisterte Hambrecht – anders als viele andere Konzerne – ohne Stellenstreichungen. Brudermüller nennt seinen Vor-Vorgänger einen „Vordenker und Macher – und dabei immer glaubwürdig und fair“. Ungeduldig und fordernd sei er auch –„das können Sie mir glauben“.

Hambrechts Nachfolger wird Kurt Bock, der sieben Jahre bis 2018 Vorstandsvorsitzender der BASF war und erstmals in das Gremium einzieht. Hambrecht erklärte, die Aktionäre könnten sicher sein, dass Bock viel Herzblut und seine weitreichende Expertise in den Aufsichtsrat einbringen werde. Bocks Amtszeit ist aber ein Jahr kürzer – die Hauptversammlung beschloss, dass Aufsichtsräte künftig für vier statt fünf Jahre bestellt werden.

Viele der vorab eingereichten Aktionärsfragen drehten sich um die Dividende. Trotz Coronakrise zahlt die BASF stattliche 3,30 Euro je Aktie, zehn Cent mehr als im Jahr zuvor. Viele andere Unternehmen haben die Dividende gekürzt oder gestrichen. Damit schüttet der Konzern drei Milliarden Euro aus. Üblicherweise beschweren sich Aktionäre eher über eine zu geringe Dividende. Doch dieses Mal äußerten mehrere Fragesteller die Sorge, die BASF könnte sich angesichts der Corona-Folgen übernehmen und sollte das Geld besser im Konzern halten. Kritisiert wurde, dass die BASF parallel dazu Stellen streiche, niedrigere Mitarbeiter-Boni auszahle und in Deutschland rund 4500 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt hat.

Proteste vor den Toren

Brudermüller betonte: „Unsere Liquidität ist sehr gut.“ Die Mitarbeiter-Boni würden unabhängig von der Dividende berechnet. Und die Streichung von weltweit 6000 Stellen sei Teil des Sparprogramms, das schon vor der Corona-Pandemie beschlossen wurde. Außerdem nehme die BASF nur wenige Gelder aus dem Kurzarbeitertopf in Anspruch.

Parallel zur Hauptversammlung protestierten 15 Aktivisten vor den Werkstoren in Ludwigshafen. Damit wollten sie BASF an ihre Verantwortung für die Einhaltung von Menschenrechten bei Lieferanten erinnern. Kritische Fragen dazu kamen auch von Aktionären. BASF-Vorstandsmitglied Saori Dubourg erklärte, der Konzern habe strenge ethische Vorgaben. Diese würden auch regelmäßig bei den Lieferanten überprüft. Aktuell habe BASF die Leitlinien bezüglich der Menschenrechte noch einmal verschärft.

Im April 2021 soll wieder eine reguläre Hauptversammlung stattfinden. Das durch die Online-Variante in diesem Jahr gesparte Geld wird BASF nicht spenden. Brudermüller verwies darauf, dass BASF bereits 100 Millionen Euro für die Pandemie-Bekämpfung ausgegeben habe.

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