Wirtschaft

Chemie Verband VCI dämpft angesichts von Brexit-Sorgen Erwartungen für das kommende Jahr / Mehr Beschäftigte im Jahr 2018

„Stimmung der Branche hat sich eingetrübt“

Frankfurt.Nach einem insgesamt noch guten Jahr 2018 haben sich die Aussichten für das neue Jahr in der deutschen Chemie- und Pharmabranche deutlich eingetrübt. „Nur wenn größere Rückschläge ausbleiben, ist im kommenden Jahr ein bescheidenes Wachstum im Chemiegeschäft erreichbar“, sagte Hans Van Bylen, Präsident des Branchenverbandes VCI, gestern in Frankfurt.

Nach einem Umsatzplus von 4,5 Prozent im zu Ende gehenden Jahr erwartet der VCI in der Produktion 2019 nur noch einen Anstieg von 2,5 Prozent. Diese Prognose ist nach Angaben von Van Bylen aber nicht haltbar, sollte es im März zu einem ungeordneten Austritt Großbritanniens aus der EU kommen.

Dann nämlich, so der Vorstandschef des Konsumgüterherstellers Henkel, würde die europäische Chemikalienregulierung in Großbritannien nicht mehr greifen. Damit wären Chemieimporte in die EU von einem auf den anderen Tag nicht mehr möglich. Gebremst werden könnten auch Exporte aus der EU auf die Insel. „Beiderseits des Ärmelkanals steht für die Chemie- und Pharmaindustrie viel auf dem Spiel“, sagt Van Bylen.

2017 hatten deutsche Unternehmen Produkte im Wert von 11,2 Milliarden Euro in das Vereinigte Königreich verkauft. Das waren 5,8 Prozent aller Ausfuhren der Branche. „17 000 Menschen arbeiten in deutschen Niederlassungen auf der Insel. Sie stellen Produkte her, die häufig als Teil der Importe im Wert von 6,5 Milliarden Euro wieder in Deutschland landen“, warnt der VCI-Präsident. „Bei einem harten Brexit wäre es eine Riesenherausforderung, diese Wertschöpfungsketten zu erhalten.“

Zölle sowie zeitaufwendige Prozeduren bei Ein- und Ausfuhren drohten, oder Zulassungen für Produkte würden fehlen. Das könnte nach Angaben von Van Bylen auch die Kundenbranche der Chemiefirmen, wie etwa Automobilhersteller, massiv treffen. Problematisch ist die Lage nach den Worten des VCI-Präsidenten auch in China, weil der Marktzugang immer noch vielfach beschränkt sei.

Niedrigwasser trifft viele Firmen

„Die Stimmung in der Branche hat sich deshalb zum Jahresende eingetrübt“, sagt Van Bylen. Das lag nicht nur an der abgeschwächten Konjunktur, sondern auch am niedrigen Wasserstand des Rheins. „Das war ein wachsendes Problem. Für viele Chemiefirmen entlang der Rheinschiene erschwerte das Niedrigwasser die Anlieferung von Vorprodukten oder den Abtransport von Fertigwaren. Dadurch musste die Produktion gedrosselt werden.“

Am Ende konnte im laufenden Jahr nur dank der boomenden Pharmaproduktion (plus 11,5 Prozent) die gesamte Chemie-Produktion um 2,5 Prozent gesteigert werden. Die insgesamt gute Geschäftslage führte auch dazu, dass die Zahl der Beschäftigten um weitere zwei Prozent auf 462 000 gestiegen ist. Der VCI rechnet für das kommende Jahr nur noch mit einem Zuwachs von etwa 0,5 Prozent.