Wirtschaft

Sparkasse Bilanzgewinn 2019 trotz Wachstums rückläufig / Neue Zentrale am Mannheimer Paradeplatz könnte 2025 eröffnet werden

Strafzins trifft nur wenige

Archivartikel

Mannheim.Das Coronavirus lässt auch die Banken nicht kalt. Da wundert es nicht, dass der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Rhein Neckar Nord, Stefan Kleiber, bei der jährlichen Bilanzpressekonferenz mit dieser „skurrilen Situation“ einsteigt. Auf das Händeschütteln wird verzichtet, für die Mitarbeiter der regionalen Sparkasse gebe es bereits einen Notfallplan – für den Fall einer Ansteckungsgefahr im Hause. Und im geschäftlichen Bereich müsse man das Wertpapiergeschäft – also den Handel mit Anteilen verschiedener Unternehmen an der Börse – im Auge behalten.

Niedrigzinsphase kostet Geld

Das Virus ist nicht das Einzige, was die Sparkasse beschäftigt. Die anhaltende Niedrigzinsphase kostet Geld. Und zwar so viel, dass die Bank die Zinsforderungen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) „nicht mehr über den Markt refinanzieren“ kann, sagt Kleiber. 220 Millionen Euro an Einlagen seien im Jahr 2019 hinzugekommen. Zwei Drittel davon, so der Vorstandschef, liegen auf Giro- und Tagesgeldkonten. Deshalb hatte die Bank das Verwahrentgelt nun auch bei vermögenden Privatkunden eingeführt (wir berichteten). Bei gewerblichen Kunden erhebt die Sparkasse schon länger Zinsen auf ruhendes Geld. Wichtig ist dem Vorstand: „Das Verwahrentgelt haben wir vor allem für Neukunden eingeführt.“ Das bedeute nicht, dass jeder Neukunde zur Kasse gebeten werde, wenn er mehr als 100 000 Euro hat. „Wir wollen uns davor schützen, dass Kunden, die bei ihrer vorherigen Bank dieses Entgelt zahlen müssten, jetzt zu uns kommen“, erklärt er. Mit den Negativzinsen bei der EZB lässt sich auch erklären, dass die Sparkasse einen rückläufigen Gewinn erzielte – trotz des eigentlichen Wachstums.

Bei jedem vermögenden Neukunden werde eine individuelle Lösung gefunden. Und die Bestandskunden? „Von unseren mehr als 230 000 Kunden kommen etwa 1,7 Prozent überhaupt in Frage“, erklärt Vorstandsmitglied Ulrich Sonntag. Mit zehn bis 15 Prozent davon habe man eine Vereinbarung getroffen. Der Fokus, so Vorstandsmitglied Helmut Augustin, werde stärker auf das Wertpapiergeschäft gelegt. „Solange die EZB diese Zinssituation aufrechterhält, wird sie auch für unsere Kunden relevant sein“, sagt er.

Zahl der Filialen verringert

Aufgrund der niedrigen Darlehenszinsen setzten Kunden ihren Fokus auf Immobilienfinanzierungen. Mehr als 200 Millionen Euro Darlehen vergab die Sparkasse dafür. Dazu kommen Bausparverträge mit einem Volumen von fast 130 Millionen Euro. Und auch das Kreditgeschäft hat mächtig zugelegt: eine Steigerung um 10,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (siehe Grafik).

Die Anzahl der Filialen hat sich nun auf 31 verringert. 29 Selbstbedienungsstandorte gibt es aber auch noch in der Region. Die Filialen Rheinau und Käfertal wurden 2019 modernisiert. Dabei sei ein „hoher sechsstelliger Betrag“ investiert worden. Auch im laufenden Jahr stehen Renovierungen an. Die Filialen Rheinau-Süd, Sandhofen und Vogelstang-Center sollen erneuert werden. Außerdem soll auf dem Lindenhof eine neue Filiale gebaut werden. Diese kostet die Sparkasse fünf bis sechs Millionen Euro, sagt Augustin.

Eine der größten Hürden beim Thema Filialbau steht der Sparkasse noch bevor: der Abriss und Neubau der Zentrale am Mannheimer Paradeplatz. „In perspektivisch fünf Jahren werden wir die neue Filiale eröffnen können“, sagt Stefan Kleiber.

Man sei mitten in der Planung. „Der nächste Schritt ist ein Architektenwettbewerb“, sagt Kleiber. Dabei müsse darauf geachtet werden, dass der Neubau energetisch auf dem neuesten Stand ist, dass genügend Parkplätze da sind – auch Elektroladestationen soll es geben. „Und wichtig ist auch, dass das Gebäude städtebaulich gut integriert ist“, so Kleiber weiter. „Es soll zum Stadtbild passen.“

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