Wirtschaft

Elektromobilität Bund und Automobilbranche wollen das Ladenetz für E-Fahrzeuge ausbauen / Umweltschützer reagieren enttäuscht auf Gipfelergebnisse

Strom tanken „immer für alle und überall“

Archivartikel

Berlin.Mit einem engeren Ladenetz für E-Autos wollen Bundesregierung und Autobranche den schleppenden Absatz elektrischer Pkw ankurbeln und den Klimaschutz voranbringen. Das Laden solle „immer für alle und überall möglich“ sein, um „die letzten Bedenken“ zu E-Autos zu zerstreuen, sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) am Dienstag.

Bei einem Gespräch im Kanzleramt am Vorabend hatten Vertreter der Industrie und der großen Koalition beschlossen, zunächst einen „Masterplan“ für den Ausbau der Stromtankstellen zu erarbeiten. Umweltschützer zeigten sich enttäuscht.

Es solle unter anderem einfacher werden, in Tiefgaragen Ladepunkte einzubauen, sagte Scheuer. Ein Gesetzentwurf werde nun in der Regierung abgestimmt. Um die deutschen und europäischen Ziele beim Klimaschutz zu erreichen, sollen nach dem Willen der Bundesregierung bis 2030 auf deutschen Straßen zehn Millionen Elektro-Pkw unterwegs sein und 500 000 Elektro-Nutzfahrzeuge. Den Strom sollen sie aus 300 000 Ladepunkten ziehen. Die deutschen Autobauer müssen den Anteil von E-Autos in ihren Flotten steigern, um EU-Vorgaben zu erfüllen.

Finanzielle Punkte ausgeklammert

Der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Bernhard Mattes, sagte nach dem Treffen in der Nacht zu Dienstag, Industrie, Gewerkschaften und Politik hätten „einen guten Grundstein“ für vernünftige Maßnahmen gelegt, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Ladestellen seien einer der wesentlichen Faktoren für Kundenakzeptanz. Über finanzielle Zusagen und Fördermittel sei nicht gesprochen worden. Bisher kommt der Absatz von E-Autos nur langsam in Gang – trotz Anreizen wie einer Kaufprämie, die gerade bis 2020 verlängert wurde. Nach amtlichen Zahlen gab es zu Jahresbeginn 83 000 Elektro-Pkw und 341 000 Hybrid-Pkw – bei einem Gesamtbestand von 47,1 Millionen Pkw. Eigentlich hatte die Bundesregierung das Ziel, bis 2020 eine Million E-Pkw auf der Straße zu haben. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) strebt dies nun bis 2022 an. Zum Stand privater Ladestellen gibt es keine öffentlich verfügbaren Zahlen, wie eine Expertengruppe im Frühjahr für das Ministerium dargelegt hatte. Dort fänden aber nach Schätzungen rund 85 Prozent der Ladevorgänge statt. Die Zahl der öffentlichen Ladepunkte lag nach Angaben des Energieverbands BDEW im April bei rund 17 400.

Umweltschützer kritisierten die Bundesregierung nach dem Treffen als planlos. „Wer Klimaschutz und Beschäftigungssicherheit vereinen will, muss Ziele haben und diese mit klaren Vorgaben erreichen wollen“, sagte Verkehrsexperte Jens Hilgenberg vom BUND. Die Deutsche Umwelthilfe kritisierte, es seien bereits Milliarden an Steuergeld in Forschung und Entwicklung der E-Mobilität und Hunderte Millionen in den Aufbau der Infrastruktur gegangen. dpa