Wirtschaft

Finanzen Wohnungslose oder Flüchtlinge haben Rechtsanspruch auf eine Bankverbindung / Nur zwei von 124 Instituten machen kostenfreies Angebot

Studie: Basiskonto oft besonders teuer

Archivartikel

Frankfurt.In Deutschland hat jeder das Recht auf ein Bankkonto – unabhängig von Wohn- und Einkommensverhältnissen. So soll beispielsweise auch Obdachlosen und allen Geflüchteten der Zugang zum bargeldlosen Zahlungsverkehr ermöglicht werden. So weit die gute Nachricht. Doch ausgerechnet für diese Menschen ist das laut Stiftung Warentest mitunter richtig teuer. Denn sie „haben nur Anspruch auf ein Basiskonto und zahlen dafür besonders viel“, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Untersuchung der Zeitschrift „Finanztest“.

Bei einigen der 124 untersuchten Kreditinstitute kostet die Führung eines Basiskontos demnach zurzeit mehr als 200 Euro im Jahr. In zwei Fällen betrugen die Kosten für ein Modellkonto der Tester sogar rund 250 Euro. Stiftung Warentest hatte bereits vor zwei Jahren kritisiert, dass das „Konto für Jedermann“ mitunter zu teuer sei. Nur zwei der untersuchten Banken boten ein Basiskonto zum Stichtag am 1. Oktober 2019 kostenfrei an.

Bankkarte und Überweisungen

Dem Bericht zufolge begründen Geldhäuser die vergleichsweise hohen Preise von Basiskonten oft mit einem Mehraufwand für Beratung und Eröffnung. Seit Mitte 2016 hat in Deutschland jeder Bürger einen Rechtsanspruch auf ein Girokonto. Alle Geldhäuser sollen Menschen ohne festen Wohnsitz auf Wunsch ein Basiskonto auf „Guthabenbasis“ einrichten.

Das bedeutet: Der Konteninhaber erhält eine Bankkarte und darf Geld überweisen, überzogen werden kann ein solches Basiskonto nicht. Die Gebühren sollen „angemessen“ sein und können auch einen Gewinn der Institute beinhalten. Diese unkonkrete Formulierung im Gesetzestext ist laut Verbraucherschützern ein Problem.

„Damit haben Menschen jetzt zwar einen Rechtsanspruch auf ein Konto, können es sich womöglich aber kaum leisten“, sagte Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). „Institute können sich durch teure Angebote von ihrer Pflicht zum Basiskontoangebot faktisch befreien.“ Der vzbv fordert eine klare gesetzliche Kostendefinition.

„Die von Stiftung Warentest festgestellten unterschiedlichen Entgelte bei Basiskonten sind ein Zeichen für einen funktionierenden Wettbewerb“, kommentierte hingegen Sylvie Ernoult von der Deutschen Kreditwirtschaft den Test. Sie verwies außerdem auf die Möglichkeit, den Konto-Anbieter zu wechseln. Laut einer Stichprobe der Finanzaufsichtsbehörde Bafin gab es zur Jahresmitte 2018 in Deutschland knapp 497 000 Basiskonten. dpa

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