Wirtschaft

Elektromobilität Flächendeckende Infrastruktur in Baden-Württemberg / Ministerpräsident Kretschmann wirft Bundesregierung Tatenlosigkeit vor

Südwesten Vorreiter beim Ladenetz

Archivartikel

Stuttgart.Den Fahrern von Elektroautos steht in Baden-Württemberg als erstem Bundesland ein flächendeckendes Netz von Ladesäulen zur Verfügung. In einem Zehn-Kilometer-Raster gibt es überall im Land mindestens eine öffentlich zugängliche Stromtankstelle. 456 Standorte weist das Netz aus, das die Energie Baden-Württemberg (EnBW) gemeinsam mit 80 kommunalen Versorgern in den letzten eineinhalb Jahren geknüpft hat.

Es gehe darum, zu zeigen, dass sich Elektromobilität nicht nur für die Großstadt eigne, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) beim offiziellen Abschluss des Projekts namens „Safe“ – wenige Stunden, bevor in Berlin der „Autogipfel“ der Bundesregierung begann. „Kein Mensch kauft einen Verbrenner, wenn er nicht tanken kann. Und kein Mensch kauft ein Elektroauto, wenn er nicht laden kann“, so Kretschmann. Und ein dichtes Netz an Ladestationen sei nun einmal der zentrale Punkt, wenn die Mobilitätswende gelingen solle. Ähnlich äußerte sich EnBW-Chef Frank Mastiaux: Man müsse es schaffen, die „Reichweitenangst“ zu lindern. „Nur dann wird das den Schub kriegen, den wir uns alle wünschen.“

127 neue Ladesäulen

Gut vier Millionen Euro haben die Partner in 127 komplett neue und in die Ertüchtigung von zwölf älteren Ladesäulen gesteckt. Die übrigen Ladepunkte gab es schon, sie wurden nur in das Zehn-Kilometer-Raster integriert, in dem die Stationen nun über das Land verteilt sind. In einem zweiten Netz wird in einem Abstand von 20 Kilometern eine Schnellladestation garantiert, an der in fünf Minuten mit den passenden Autos Energie für mindestens 100 Kilometer Weiterfahrt gezapft werden kann. 1,4 Millionen Euro hat die Landesregierung für das Projekt springen lassen, das in Kretschmanns Strategiedialog Automobilwirtschaft erdacht wurde.

EnBW-Chef Frank Mastiaux bezeichnete den Ausbau der E-Mobilität als Investitionsschwerpunkt seines Unternehmens. „In Summe werden wir in den nächsten Jahren gut eine Milliarde Euro in das Thema E-Mobilität investieren“, kündigte Mastiaux an. Wirtschaftlich sei das nicht immer einfach zu begründen, weil man das Geld „vor dem Bedarf“ ausgebe. Die Amortisierung dauere zwischen zehn und 20 Jahren, abhängig von der tatsächlichen Zahl der E-Autos.

Bei der gleichen Verteilung der Ladesäulen zwischen größeren Städten und ländlichen Regionen habe auch die Landesregierung erst dazugelernt und ihre Strategie dann geändert, sagte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). „Es kommt eigentlich nicht auf die Zahl an, sondern darauf, dass sie richtig stehen“, betonte er. Nun sei Baden-Württemberg das erste Bundesland mit einem flächendeckenden Ladenetz.

Kretschmann zeigte sich unterdessen enttäuscht über die Vorbereitung des „Autogipfels“ und kritisierte die Bundesregierung erneut heftig: „Schon die Vorbereitung des Gipfels zeigt, dass es nicht funktionieren wird“, sagte er. Am Donnerstagabend kurz vor dem Feiertag seien seinem Haus die Unterlagen zugegangen. „Ich habe die Unterlagen am Donnerstagabend bekommen. Das muss man sich mal vorstellen – vor dem Feiertag“, erläuterte Kretschmann am Rande einer weiteren Veranstaltung in Stuttgart. „So wird da gearbeitet.“

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