Wirtschaft

Lebensmittel Coronavirus-Pandemie treibt Nachfrage an / CropEnergies will verstärkt Ethanol für Desinfektionsmittel herstellen

Südzucker erhöht Produktion von Tiefkühlpizza

Archivartikel

Mannheim.Weil Restaurants nur noch eingeschränkt öffnen dürfen und viele Menschen wegen der Coronavirus-Pandemie zu Hause bleiben, steigt die Nachfrage nach Tiefkühlpizza. Das spürt Freiberger, eine Tochtergesellschaft des Mannheimer Südzucker-Konzerns, zurzeit deutlich. Im Werk Muggensturm bei Karlsruhe werde an sechs statt wie üblich an fünf Tagen produziert, sagt ein Konzernsprecher. „Die Lieferungen sind im zweistelligen Prozentbereich gestiegen.“

Hygiene-Vorkehrungen verschärft

Freiberger stellt Tiefkühlpizza und Tiefkühlbaguettes für Supermarktketten her. Diese verkaufen die Ware unter ihrer Eigenmarke. Am Standort Muggensturm arbeiten rund 340 Beschäftigte. Der Unternehmenssprecher hebt hervor, man sei trotz höherer Nachfrage lieferfähig und die Versorgung weiterhin gewährleistet.

Im Werk sind die Hygiene-Vorkehrungen verschärft worden. Mitarbeiter erledigen die Schichtübergabe via Telefon oder E-Mail statt persönlich. Lastwagen-Fahrer dürfen das Produktionsgebäude zum Entladen nicht mehr betreten. Früher hätten die Fahrer den Aufenthalt auch für Toilettengänge genutzt, sagt der Sprecher.

Nun könnten sie auf Dixi-Toiletten ausweichen, die das Unternehmen eigens dafür aufgestellt habe. „Wenn die Lkw-Fahrer Hunger haben, erhalten sie zudem ein frisch gebackenes Baguette aus dem Werk.“ Der Sprecher beobachtet, dass sich durch die besondere Lage ein neuer Mannschaftsgeist entwickelt habe.

Auch im Kerngeschäft Zucker schieben Mitarbeiter des Mannheimer Konzerns Extra-Schichten. Das Abpacken von Zucker ist an Standorten wie Offenau bei Heilbronn schon von fünf auf sechs Tage ausgeweitet worden. Derzeit prüft das Unternehmen, ob Sonntagsschichten möglich sind. „Als Produzent von Lebens- und Futtermitteln zählen wir zur ,kritischen Infrastruktur’, die besondere Unterstützung durch Politik und Verwaltung erfährt, damit die Versorgung sichergestellt bleibt“, wird Südzucker-Vorstandsvorsitzender Niels Pörksen in einer Mitteilung zitiert.

Die CropEnergies AG, die ebenfalls zum Südzucker-Konzern gehört, will die Produktion teilweise von Kraftstoffalkohol auf Neutralalkohol umstellen, um den wachsenden Bedarf an Ethanol als Hauptbestandteil für Desinfektionsmittel zu decken.

Das Unternehmen hält vorübergehende Einschränkungen für möglich. Durch die verhängte Ausgangssperre in Belgien etwa könnten sich Wartungsarbeiten im Werk Wanze verzögern. „Wir beobachten die aktuelle Marktlage und werden zeitnah reagieren“, sagt Vorstandsvorsitzender Joachim Lutz laut Mitteilung. Es werde daran gearbeitet, die Auslastung der Werke „auf hohem Niveau“ zu halten.

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