Wirtschaft

Handel Viele Verbraucher achten einer Studie zufolge mehr auf die Qualität als auf den Preis / Gute Konjunktur verändert Einkaufsverhalten

Supermärkte hängen Discounter ab

Archivartikel

Nürnberg.Trotz aller Debatten um Billigfleisch und Dumpingpreise: Im deutschen Lebensmittelhandel haben im vergangenen Jahr die großen Supermarktketten beim Umsatz deutlich stärker zugelegt als die Discounter mit ihren Billigangeboten. Nach einer aktuellen Marktstudie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) steigerten Edeka, Rewe und Co ihre Umsätze 2019 um rund drei Prozent. Die Discounter wie Aldi und Lidl schafften dagegen laut GfK insgesamt nur ein Plus von 0,9 Prozent.

Dem Verbraucher gehe es längst nicht mehr nur um den Preis, er verlange inzwischen „neben akzeptablen Preisen auch eine angenehme Einkaufsatmosphäre und ein attraktives Angebot an ökologisch nachhaltigen Produkten“, erklärte der GfK-Handelsexperte Robert Kecskes den Trend. Dieses schwierige Spagat gelinge den Supermärkte derzeit besser als den Discountern.

Bessere finanzielle Situation

Die niedrige Arbeitslosigkeit und die steigenden Reallöhne haben nach Einschätzung des Experten die Einkaufsgewohnheiten der Bundesbürger in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Gaben 2009 auf die Frage nach ihrer eigenen finanziellen Situation lediglich 27 Prozent der Haushalte an, sie könnten sich „fast alles leisten“, so sind es inzwischen schon 42 Prozent. Zugleich sank die Zahl der Haushalte, die sich nach eigener Einschätzung „fast nichts mehr leisten“ können, von 26 auf 17 Prozent.

Die Folge: 55 Prozent der Verbraucher achten laut GfK beim Einkauf derzeit vor allem auf die Qualität, nur 45 Prozent schauen vor allem nach dem Preis. Vor zehn Jahren war das Verhältnis noch umgekehrt. Vor allem den jüngeren Verbrauchern seien Frische, Regionalität, handwerkliche Herstellung und die Unterstützung kleinerer Produzenten ein Anliegen, so die Marktforscher.

Die Konsumenten kaufen insgesamt weniger Güter des täglichen Bedarfs, greifen aber öfter zu höherwertigen Produkten. Dies zeige sich besonders beim Fleisch, wo der Trend zum völligen oder teilweisen Fleischverzicht Spuren hinterlasse, sagte Kecskes. Wer seltener Fleische esse, sei dann aber oft bereit, bei diesen Gelegenheiten mehr Geld auszugeben. Das heiße allerdings nicht, dass der Handel problemlos auf Sonderangebote bei Fleisch verzichten könne, betonte der Experte. Sonderangebote für Hackfleisch und Steaks seien nach wie vor ein erfolgversprechender Anreiz, um Kunden in die Läden zu locken. dpa

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