Wirtschaft

Täglicher Wahn(sinn)

Archivartikel

Es ist so verlockend einfach: Ein paar Klicks im Online-Shop, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit, schon kommt das neue Buch, die schicke Jacke oder das Zelt für den nächsten Urlaub nach Hause. Und die Lieferung kostet häufig noch nicht mal was – zumindest angeblich. Was aus Sicht des Einzelnen so bequem und deshalb nachvollziehbar ist, wirkt jedoch gleich anders, wenn man den täglichen Lieferwahn(sinn) in Deutschland insgesamt betrachtet. Darum ist die von vielen Paketdienstleistern nun vorsichtig angekündigte Preiserhöhung für Sendungen nach Hause nicht nur richtig, sondern absolut notwendig.

Jeden Tag werden in Deutschland zwölf Millionen Pakete verschickt. Die Innenstädte verstopfen, der Verkehr stockt, die Fahrer der Transporter sind überlastet, die Luft auch, die Empfänger sind teils gar nicht da, die zur Abholstation auserkorenen Nachbarn manches Mal verschnupft – und oft genug werden die Waren ein paar Tage später einfach wieder zurückgeschickt: Passt nicht, gefällt nicht, wollte eh nur eines der vier Paar Schuhe behalten. Das kann nicht das Zukunftsmodell sein. Zumal alle Prognosen vorhersagen, dass die Zahl der Pakete weiter steigen wird.

Neue Lösungen müssen her. Und ein Zuschlag für die Lieferung nach Hause ist neben Mikro-Depots, Lastenfahrrädern oder dem Ausbau des Netzes von Paketshops und -stationen ein Teil davon. Bequemlichkeit ist zwar der einfachste Weg. Aber nicht immer der beste für alle.