Wirtschaft

Bilanz Chemische Industrie sorgt sich um zweite Jahreshälfte / Verbandspräsident Kurt Bock plädiert für mehr Forschungsförderung

„Tempo des Wachstums hat nachgelassen“

Frankfurt.Trotz sehr guter Geschäfte in der ersten Jahreshälfte hat sich die Stimmung in der deutschen Chemie-Industrie eingetrübt. Bei der Vorlage seiner Halbjahres-Bilanz nannte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) gestern den möglichen globalen Handelskrieg, einen harten Brexit und die stürmische Ölpreis-Entwicklung als größte Risiken für die drittgrößte deutsche Industriebranche. An seiner Prognose eines Umsatzzuwachses von 4,5 Prozent auf 204 Milliarden Euro für das Gesamtjahr hielt der Verband gleichwohl fest.

Einen guten Teil haben die Unternehmen bereits in den ersten sechs Monaten geschafft: 100,4 Milliarden Euro Umsatz bedeuteten einen Zuwachs von 5,5 Prozent. Die Produktion lag im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum bei einem Plus von 5,0 Prozent. Für das Gesamtjahr erwartet der VCI hier unverändert nur 3,5 Prozent mehr.

Zusätzliche Stellen geschaffen

Das Wachstum wird sich den Erwartungen des Verbandes zufolge in der zweiten Jahreshälfte also deutlich abschwächen. „Das Tempo des Wachstums hat nachgelassen, gleichzeitig haben die konjunkturellen Risiken zugenommen. Der Gegenwind wird stärker“, bewertete der scheidende VCI-Präsident und frühere Chef des Ludwigshafener Chemiekonzerns BASF, Kurt Bock (Bild), die Lage der Branche.

Wegen der guten Wirtschaftslage hat die Chemie-Industrie zuletzt einige zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Im ersten Halbjahr waren es insgesamt 455 200 Beschäftigte und damit 0,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Sorgen bereiten jedoch die steigenden Ölpreise. Höhere Aufwendungen für den wichtigen Grundstoff drückten auf die Gewinnspannen, entzögen Deutschland Kaufkraft und belasteten die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Chemie-Industrie.

Aufforderung an Regierung

Erneut verlangte der Chemie-Verband eine stärkere steuerliche Förderung für Forschung und Entwicklung, wie sie in fast allen Industrienationen üblich sei. Bock forderte daher die Bundesregierung auf, im Herbst einen konkreten Gesetzentwurf vorzulegen. Nur so könnten die Investitionen auf das im Koalitionsvertrag genannte Ziel von 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gesteigert werden. dpa (Bild: dpa)