Wirtschaft

Auto Musk streicht Ausstiegsplan / Klagewelle droht

Tesla soll doch an der Börse bleiben

Archivartikel

Palo Alto.17 Tage lang hielt Tesla-Chef Elon Musk die Finanzwelt mit seinem waghalsigen Plan eines Börsenrückzugs des E-Auto-Pioniers in Atem. Nun hat der Tech-Milliardär die Aktion genauso überraschend abgeblasen, wie er sie angekündigt hatte. Damit hat Musk ein Großprojekt weniger am Hals und kann sich auf Teslas Hoffnungsträger Model 3 konzentrieren. Doch das Chaos, das er angerichtet hat, könnte ernsthafte rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Durch den Zick-Zack-Kurs verliert Musk zudem weiter an Glaubwürdigkeit.

„Die meisten unserer Aktionäre glauben, dass wir als öffentliches Unternehmen besser aufgestellt sind“, teilte Musk Freitagnacht im Firmen-Blog mit. Das ist eine radikale Kehrtwende – zuvor hatte er noch getwittert, zwei Drittel der Investoren würden mitziehen. Warum Musk kein Feedback einholte, bevor er im Alleingang mit seinem Plan vorpreschte – rätselhaft. Tesla verlor nun jedenfalls keine Zeit, die Idee zu begraben: Ein Spezialausschuss zur Prüfung des Börsenrückzugs gab bereits seine Auflösung bekannt.

Statt dem Druck der Märkte durch einen Börsenabgang zu entkommen, hat Musk jetzt noch mehr Stress. Denn das rechtliche Nachspiel beginnt gerade erst. Die Börsenaufsicht SEC hat laut US-Medien bereits Vorladungen verschickt, zudem droht eine Klagewelle. Über 15 Kanzleien trommeln Aktionäre zusammen, die sich von Musk getäuscht sehen. Darunter sind bekannte Anwaltsfirmen wie Hagens Berman und Lieff Cabraser, die bereits von anderen Konzernen milliardenschwere Entschädigungen erstritten haben.

Inzwischen treibt so manchen Großaktionär die Befürchtung um, dass der Superstar, der Tesla bislang als Ein-Mann-Show führt, selbst zum größten Risiko für das Unternehmen wird. Denn ausgerechnet jetzt durchläuft Tesla mit seinem Hoffnungsträger Model 3 die wohl kritischste Produktionsphase.

Kurs auf Talfahrt

Doch auch die Zweifel an der Nachhaltigkeit der Model-3-Fertigung steigen. „Unsere Experten fanden zahlreiche Qualitätsprobleme wie fehlende Schrauben, starken Lärm oder ungleichmäßige Spaltmaße“, heißt es in einer UBS-Analyse. Parallel dazu berichtete die Website „Business Insider“ unter Berufung auf interne Unterlagen von Tesla von einer hohen Fehlerquote. Mehr als 4300 der 5000 in der letzten Juniwoche gefertigten Model 3 mussten demnach überarbeitet werden.

Beim Aktienkurs hat Musk sich zudem einen Bärendienst erwiesen – bei Anlegern kam das Hin und Her nicht gut an. Die Aktie notierte schon am Freitag rund sechs Prozent tiefer als vor Musks Tweet. Gestern ging es vorbörslich weiter bergab. „Investoren haben viele offene Fragen“, sagte Jeffrey Osborne vom US-Investmenthaus Cowen US-Medien. Es sei an der Zeit, dass Tesla sich nach neuen Führungskräften umschaue. dpa