Wirtschaft

Messung: 2 Neue Methoden sorgen für realistische Angaben beim CO-Ausstoß / ADAC schätzt Anstieg auf 70 Prozent

Tests machen Kfz-Steuer teurer

Archivartikel

Berlin.Käufer von neu zugelassenen Fahrzeugen müssen sich auf eine höhere Kfz-Steuer einstellen als bei ihrem alten Wagen. Denn für die Bemessung der Abgaben werden die CO2-Werte der Fahrzeuge herangezogen. Ab dem 1. September wird das Messverfahren dafür geändert. Das Gute daran ist, dass die Autokäufer endlich realistische Angaben zum Spritverbrauch erhalten. Denn diese hängen direkt mit dem Ausstoß des Treibhausgases zusammen. Der Nachteil: In der Regel liegt der reale Verbrauch höher als der nach dem alten Standard ermittelte. Deshalb wird in den meisten Fällen wohl die Kfz-Steuer steigen. Für bereits zugelassene Autos oder Kleintransporter bleibt aber alles beim alten. Nur Fahrzeuge, die nach dem 1. September zugelassen werden, sind davon betroffen.

Die Schätzungen über das Ausmaß der Mehrbelastung gehen auseinander. „Die Kfz-Steuer steigt um bis zu 70 Prozent“, schätzt der ADAC. Das gilt nach Berechnungen des Auto Club Europa (ACE) aber längst nicht für alle Modelle. Denn in einigen Fällen wie dem Subaru Outback wurde der CO2-Ausstoß mit dem neuen Messverfahren nach unten korrigiert. Für dessen Besitzer sinkt die Kfz-Steuer sogar. Das ist jedoch die Ausnahme.

Längere Verfahren

Die Höhe der Steuer richtet sich nach den Emissionen des Treibhausgases CO2. Insofern lässt sich über die Belastung einzelner Autobesitzer keine einheitliche Aussage machen. Der ACE hat eine Beispielrechnung für den BMW 218i erstellt. Für neu zugelassene Fahrzeuge dieses Modells müssen die Halter demnach statt bisher 104 Euro künftig 156 Euro an den Fiskus abführen. Insgesamt bringt die Kfz-Steuer dem Bund neun Milliarden Euro im Jahr ein. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöfer von der Uni Duisburg-Essen erwartet nun ein Mehraufkommen von 170 Millionen Euro.

Die große Änderung ist das ab der nächsten Woche zwingend vorgeschriebene Messverfahren WLTP. Die Abkürzung steht für „Worldwide Harmonized Light Vehicle Test Procedure“, also ein weltweit harmonisiertes Testverfahren für leichte Fahrzeuge. Es bildet das Fahrverhalten deutlich besser ab als die alte Prozedur, die noch aus den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts stammt. Bisher fahren die Autos oder leichten Transporter 20 Minuten auf dem Prüfstand ohne große Geschwindigkeitssprünge und bei warmen Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad. Künftig dauert die Prüfung 30 Minuten, es werden 23,3 Kilometer gefahren und auch hohe Geschwindigkeiten erreicht. Auf diese Weise ermitteln die Techniker einen CO2-Wert für jedes Fahrzeug. Die Ausstattung wird dabei auch berücksichtigt.

Darüber hinaus messen die Testlabore auch noch die Emissionen, die im Straßenverkehr tatsächlich entstehen. Diese „Real Driving Emissions“ (RDE) werden sowohl im Stadtverkehr als auch auf der Landstraße und der Autobahn gemessen. Dafür schafft das Kraftfahrt-Bundesamt zum Beispiel mobile Geräte an, die Abgase direkt am Auspuff messen können. Im Gegensatz zu früheren Zeiten wird die Behörde auch selbst Messungen vornehmen können. Ein Prüfstand nebst Teststrecke auf einem stillgelegten Militärflughafen werden in der Nähe von Flensburg eingerichtet. Die Hersteller haben noch längst nicht alle Modelle nach WLTP testen lassen. Insbesondere VW kommt nicht hinterher und musste zum Beispiel große Flächen am künftigen Berliner Flughafen anmieten, um die Fahrzeuge dort bis zur Zulassung zu parken. Auslieferungen verzögern sich daher, auch bei anderen Marken.

Folge des Dieselskandals

Für die Autokäufer ist in Hinblick auf die Steuerbelastung vor allem der ausgewiesene CO2-Wert interessant. „Ein niedriger Wert bedeutet einen geringen Kraftstoffverbrauch sowie einen entsprechend günstigen Steuersatz“, erklärt der ACE. Die Veröffentlichung dieses Wertes werde im Verlauf des kommenden Jahres verpflichtend. Über geschönte Verbrauchsangaben haben sich die Autofahrer lange geärgert. Nun wird es eine realistische Information geben. Insbesondere die Messungen im realen Verkehr sind auch eine Folge des Dieselskandals. Denn im praktischen Betrieb haben ordnungsgemäß zugelassene Fahrzeuge viel mehr Stickoxide ausgestoßen als auf dem Prüfstand.