Wirtschaft

Insolvenz Für die Entschädigung der Urlauber sollen angeblich 400 Millionen Euro fehlen / Verbraucherschützer sehen Staat beim Ausgleich in der Pflicht

Thomas-Cook-Kunden drohen hohe Verluste

Archivartikel

Berlin.Die Kunden der deutschen Tochterunternehmen des Reisekonzerns Thomas Cook werden wohl auf einem großen Teil ihres Schadens sitzen bleiben. Einem Bericht der „Bild am Sonntag“ zufolge gab es zum Zeitpunkt der Pleite 660 000 Buchungen im Gesamtwert von 500 Millionen Euro. Die Zwangsversicherung für Firmeninsolvenzen deckt jedoch nur Entschädigungen bis zu einem Volumen von 110 Millionen Euro. Die Versicherung Zurich hatte schon angedeutet, dass diese Summe nicht ausreichen wird, um allen Reisenden bereits geleistete Zahlungen zurückzuerstatten.

Betroffen sind beispielsweise Kunden von Neckermann-Reisen und Öger Tours. Bestätigt sich die Lücke zwischen der Haftungsobergrenze und den tatsächlichen Forderungen, würde Zurich die Kunden anteilig entschädigen. Ein Anspruch von 1000 Euro würde in dieser Rechnung mit rund 220 Euro abgegolten. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen sieht nun den Staat in der Pflicht. Dieser müsse für die fehlende Haftung einspringen.

Die Verbraucherschützer weisen der Bundesregierung eine Mitschuld am finanziellen Debakel für die Kunden zu. Denn der Gesetzgeber hat entgegen der Warnungen von Experten nur einen vergleichsweise geringen Haftungsdeckel vorgeschrieben. Dabei sieht eine EU-Richtlinie einen vollständigen Insolvenzschutz vor. Die Juristen des Bundestags können nicht ausschließen, dass die Unterdeckung eine Staatshaftung nach sich zieht. Dazu gebe es noch keine höchstrichtlicher Rechtsprechung, warnte kürzlich der Wissenschaftliche Dienst des Parlaments.

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