Wirtschaft

Industrie Traditionskonzern könnte aus Leitindex Dax fliegen / Triebwerksbauer MTU möglicher Nachfolger / Börse entscheidet am Mittwochabend

ThyssenKrupp im Abstiegskampf

Archivartikel

Essen.Ein Rennradfahrer fegt durch ein Hüttenwerk. Im Hintergrund sprüht glühender Stahl Funken. Auf dem Fahrradrahmen ist das Logo von ThyssenKrupp zu erkennen. Rennräder aus Stahl sind das neueste Produkt aus dem Riesenreich des Konzerns. #unbreakable (unzerbrechlich) lautet ein Schlagwort in dem Werbevideo. Der Stahl- und Industriekonzern mit mehr als 200-jähriger Geschichte wirkt derzeit aber alles andere als unzerbrechlich. Nach roten Zahlen und wiederholten Strategiewechseln droht ThyssenKrupp gar der Abstieg aus dem Dax. Der Vorläufer Thyssen zählt zu den Gründungsmitgliedern des deutschen Leitindex. Ob es dazu kommt, gibt die Deutsche Börse am Mittwochabend nach Handelsschluss bekannt.

„Einschneidende Folgen“

Während das Rennrad aus Stahl Emotionen wecken soll, geht es beim Dax um kalte Zahlen. Wer bei Marktkapitalisierung oder Börsenumsatz schwächelt, kann den Regeln zufolge aus dem Leitindex fliegen. Bei beiden Werten sieht es für die Essener schon lange nicht mehr gut aus. Nicht einmal mehr sieben Milliarden Euro bringt der Konzern mit seinen weltweit mehr als 160 000 Mitarbeitern an Börsenwert auf die Waage. Nachfolger von ThyssenKrupp im Dax wird voraussichtlich der Triebwerksbauer MTU. Er hat nach Einschätzung des Analysten Uwe Streich von der Landesbank Baden-Württemberg das Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Immobiliengesellschaft Deutsche Wohnen gewonnen.

Für ThyssenKrupp könnte das Dax-Aus nicht nur einen Imageverlust bedeuten. „Der Abstieg aus dem Dax hätte auf jeden Fall einschneidende Folgen für die Aktie von ThyssenKrupp“, meint Dirk Schiereck, Professor für Unternehmensfinanzierung an der TU Darmstadt. Inzwischen lägen sechs bis sieben Prozent aller Dax-Aktien in passiven Fonds, die den Dax nachbauten. „Das bedeutet, dass sechs bis sieben Prozent der ThyssenKrupp-Aktien demnächst den Besitzer wechseln könnten.“ Dann sei ein Angriff auf den Essener Konzern ein Stück einfacher, „weil mehr Aktien verfügbar sind“.

Das Schreckgespenst einer Zerschlagung geht bei ThyssenKrupp schon länger um. Kerkhoff will unter anderem mit dem Börsengang der profitablen Aufzugssparte von ThyssenKrupp dagegen halten. So soll Geld in die Kassen kommen, mit dem auch der Stahlbereich stabilisiert werden soll. Denn entgegen ursprünglicher Planungen bleibt Stahl nach dem Veto der EU-Wettbewerbshüter gegen die Fusion mit dem indischen Konkurrenten Tata Steel notgedrungen Kerngeschäft des Ruhrkonzerns.

Auch ein Verkauf der Aufzugssparte, mit der ThyssenKrupp mehr verdient als mit den übrigen Geschäften zusammen, scheint nicht mehr ausgeschlossen.

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