Wirtschaft

Studie Vorstände verdienen im Schnitt das 49-Fache ihrer Mitarbeiter / Leichte Rückgänge im vergangenen Jahr

Tiefe Gehaltskluft bei Dax-Konzernen

Archivartikel

Frankfurt.Die Gewinne der 30 größten im Deutschen Aktienindex Dax gelisteten Konzerne sind 2019 im Schnitt um 15 Prozent gesunken, die Gehälter der Vorstände dagegen nur um 0,3 Prozent. Damit bleibt der Unterschied zwischen deren Bezügen und denen ihrer „normalen“ Beschäftigten weiter extrem hoch.

Im Schnitt erhielten die Top-Manager im vergangenen Jahr 3,4 Millionen Euro und damit das 49-Fache ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Noch krasser ist das Verhältnis mit Blick auf die Vorstandschefs, denen im Schnitt knapp 5,3 Millionen Euro überwiesen wurde. Zudem können sich die Vorstandschefs auf üppige jährliche Pensionen von bis zu 1,5 Millionen Euro freuen, für die sie selbst keinen Cent an Beiträgen bezahlt haben. Und das bei einem Pensionseintrittsalter, das in der Regel bei 60 bis 62, mitunter sogar bei 55 Jahren liegt.

VW-Chef Diess vorn

Am meisten verdient hat 2019 VW-Chef Herbert Diess mit 9,85 Millionen Euro vor Stefan Oschmann von Merck mit 8,45 und Joe Kaeser von Siemens mit 7,15 Millionen Euro. Das sind die zentralen Ergebnisse der Vergütungsstudie, die die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Dienstag zusammen mit der TU München vorgelegt hat. Generell sind die Vorstandsvergütungen 2018 und 2019 nach Angaben von TU-Professor Gunther Friedl zurückgegangen, womit sich die Schere zwischen den Top-Verdiensten und dem von normalen Beschäftigten leicht geschlossen habe. Schließlich seien die Nettolöhne 2018 und 2019 um 5,7 Prozent gestiegen, die Vorstandsvergütungen aber um 3,7 Prozent gesunken. Trotzdem dürften sich die Top-Manager nicht beklagen, lässt DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler durchblicken.

Bei VW erhielten die Vorstände im Schnitt 5,7 Millionen Euro, 5,6 Millionen waren es bei SAP und bei Merck 5,5 Millionen Euro. Vor allem das laufende Jahr mit der Corona-Pandemie und den dadurch sinkenden Gewinnen müsse zeigen, ob die Vergütungssysteme funktionieren. „Laufen die Geschäfte schlecht, muss sich das auch in den Portemonnaies der Manager niederschlagen.“ Wenn außerdem Aktionäre auf die Dividende verzichten müssten und Beschäftigte in Kurzarbeit geschickt würden, müsse auch der Vorstand Verzicht üben.

„Horrende“ Pensionszusagen

Mittlerweile erhalten die Top-Manager jeweils ein Drittel ihrer Vergütung fix, als Bonus und in Form von Aktien. Deren Kursentwicklung ist bei der Berechnung der Vergütung für 2019, so Friedl, gar nicht enthalten. Damit aber fehlt ein ansehnlicher Teil, schließlich hat der Dax 2019 um ein Viertel zugelegt. „Damit wäre die Vergütung deutlich gestiegen und nicht leicht gesunken.“ Und damit wäre auch die Schere zu den Verdiensten der Beschäftigten deutlich größer gewesen.

Nach wie vor sind die von den Konzernen finanzierten Pensionszusagen für die Vorstände nach Angaben von Tüngler „horrend und teilweise klar überzogen“. Immerhin zeichne sich ein Umdenken ab.

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