Wirtschaft

Chemie Konzern verkauft Geschäftsbereich an US-Unternehmen Elanco / Arzneien für Hunde, Katzen oder Kühe sind globales Wachstumsgeschäft

Tiermedizin-Sparte bringt Bayer Milliarden ein

Archivartikel

Leverkusen.Bayer trennt sich von seiner Arzneimittelsparte für Haus- und Nutztiere. Sie geht für 7,6 Milliarden Dollar (6,85 Milliarden Euro) an den US-Konzern Elanco, teilte das Leverkusener Dax-Unternehmen am Dienstag mit. Mit dem Verkauf kommt Bayer bei seiner Absicht voran, Geschäftsteile zu veräußern und die Schulden nach der teuren Übernahme des Saatgutkonzerns Monsanto zu drücken. Zugleich kassiert der Agrarchemie- und Pharmakonzern einen hohen Preis von Elanco: Geschäfte mit dem Wohl von Hunden, Katzen oder Tieren in der Landwirtschaft sind wegen der guten Wachstumsaussichten begehrt.

Elanco, einst ein Teil des US-Pharmariesens Eli Lilly, ist mit 5600 Mitarbeitern und 3,1 Milliarden Dollar Umsatz eine feste Branchengröße. Mit dem Bayer-Deal entstehe die globale Nummer zwei in der Tiergesundheit, hieß es. Marktführer ist der US-Konzern Zoetis.

Bayer vertreibt in der Tiermedizin Floh-, Zecken- und Entwurmungsmittel sowie Halsbänder zur Abwehr des Ungeziefers. Bauern bietet der Konzern Mittel, um die Abwehrkräfte von Nutztieren zu stärken, Schädlinge im Stall zu bekämpfen und die Hygiene zu verbessern.

Kündigungsschutz bis 2025

Doch die Tiermedizin ist auch die kleinste Bayer-Sparte, die Tochter mit Sitz in Monheim und Produktionsanlagen in Kiel und Shawnee (USA) hat rund 3700 Mitarbeiter, das sind gut drei Prozent der gesamten Belegschaft. Auch gemessen am Erlös von 1,6 Milliarden Euro ist die Sparte vernachlässigbar: Bayer setzte 2018 fast 40 Milliarden um.

Die Beschäftigten der deutschen Animal Health GmbH bleiben nun gemäß geltender Vereinbarungen bis Ende 2025 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt, betonte Bayer. 4200 Bayer-Mitarbeiter wechseln insgesamt zu Elanco.

Für das US-Unternehmen ist die Bayer-Sparte interessant. Geschäfte mit der Tiermedizin sind gefragt, denn Besitzer von Hunden oder Katzen geben viel Geld für das Wohl ihrer Liebsten aus. Und Bauern haben viel Interesse daran, dass ihre Kühe oder Schweine nicht von Parasiten befallen werden oder an Infektionskrankheiten leiden.

„Der Markt mit Tiermedizin wächst jährlich um fünf bis sechs Prozent nach Umsatz“, sagt Thilo Kaltenbach, Pharma-Experte bei der Beratungsgesellschaft Roland Berger. „Da der Wohlstand in Schwellenländern wie China wächst, geben die Menschen dort immer mehr Geld für ihre Haustiere aus.“ Zugleich trieben die Industrialisierung der Landwirtschaft und der steigende Fleischkonsum das Geschäft.

Das Potenzial mit Tiermedizin hat auch Boehringer Ingelheim erkannt. Das rheinland-pfälzische Unternehmen hat 2017 das Tiermedizin-Geschäft von Sanofi übernommen und setzt vier Milliarden Euro in der Tiergesundheit um. Nun wird Elanco vorbeiziehen. 

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