Wirtschaft

Verkehr Planung der neuen Trasse zwischen Mannheim und Karlsruhe gestartet / Deutsche Bahn hält sich viele Möglichkeiten offen

Trasse Mannheim – Karlsruhe: Die nächste Suche beginnt

Mannheim/Karlsruhe.Auf die frisch vorgestellte Neubaustrecke Rhein-Main – Rhein-Neckar folgt der nächste Streich: Die Planung des Schienenverkehrsabschnitts zwischen Mannheim und Karlsruhe ist gestartet. Er soll die Strecken von Frankfurt nach Mannheim und von Karlsruhe nach Basel verbinden.

Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz betont die wirtschaftliche Relevanz des Projekts: „Der Abschnitt von Mannheim nach Karlsruhe ist ein wichtiger Lückenschluss auf dem europäischen Schienenverkehrskorridor von Rotterdam nach Genua. Wir wollen und brauchen eine starke Schiene – für unsere Wirtschaft und für einen besseren Klimaschutz.“

Auch Frank Mentrup, Oberbürgermeister von Karlsruhe, begrüßt das Projekt: „Hier geht es nicht nur um zusätzliche Gleise, sondern langfristig auch um die Versorgungssicherheit.“ Allerdings dürfe der Ausbau nicht auf Kosten der Bürger stattfinden, so Mentrup. Er fordert Transparenz im Prozess der Trassenfindung sowie effektive Lärmschutzmaßnahmen. Stefan Geweke, Leiter des Projekts, sagt im Gespräch mit dieser Redaktion: „Neben Fern- und Güterverkehr wird auch der Nahverkehr im Korridor zwischen Mannheim und Karlsruhe von der neuen Strecke profitieren.“

Dicht besiedelte Gegend

Der Suchraum des Projekts ist sehr weit gefasst – er reicht vom Pfälzerwald im Westen bis hin zum Kraichgau im Osten. „Wir wollen von Anfang an sicherstellen, dass wir keine ernsthaft in Betracht kommende Trassenführung außen vor lassen“, erklärt Geweke. Methodisch werde vom Groben zum Feinen vorgegangen, also die Anzahl möglicher Lösungen im Laufe des Projekts immer weiter eingegrenzt.

Präferenzen für eine Streckenführung gibt es für die Bahn derzeit noch nicht. Somit sind sowohl rechts- als auch linksrheinische Streckenführungen, ein kompletter Neubau und ebenso der (teilweise) Ausbau einer bereits bestehenden Strecke denkbar. Die Streckenfindung in der Region wird gleichwohl anspruchsvoll: „Die Gegend ist sehr eng und dicht besiedelt, darüber hinaus existieren durch die Naturlandschaft viele Raumwiderstände “, so Geweke. Erste Ergebnisse zu sogenannten Grobkorridoren sollen Anfang 2021 öffentlich werden. Im ersten Quartal 2023 soll die Trassenfindung abgeschlossen sein. Der Bau werde bis in die 2030er Jahre dauern.

Parallel zur Streckensuche wird laut Geweke die Umweltverträglichkeit möglicher Baumaßnahmen auf den Prüfstand gestellt. Zunächst wird auf einer Karte verortet, wo zum Beispiel sogenannte FFH- (Flora, Fauna, Habitat) und Wasserschutzgebiete liegen. Ziel der Grobkorridorsuche sei, Gebiete mit den höchsten Raumwiderständen möglichst zu umfahren. In späteren Planungsschritten, wenn die ersten Linien definiert sind, wird vor Ort geprüft, etwa welche schützenswerten Arten in den Gebieten leben.

Für das Schwetzinger Rathaus kommt ein Ausbau der bestehenden Bahnstrecken im Schwetzinger Stadtgebiet nicht infrage. Rückendeckung gibt laut Oberbürgermeister René Pöltl eine von der Deutschen Bahn selbst in Auftrag gegebene Studie: „Selbst bei allen denkbaren Optimierungsmaßnahmen reicht die Kapazität der aktuellen Güterbahnverkehrsstrecke südlich von Mannheim nicht aus, um den zu erwartenden Güterverkehr komplett abzuwickeln. Geeignete Ausweichstrecken gibt es aktuell nicht. Grund ist ein Gleisbereich im Norden Schwetzingens, der als Flaschenhals das Durchkommen aller notwendigen Züge verhindert. Dieser Flaschenhals kann laut dem Gutachten durch bauliche Ergänzungs- oder Umbau-Maßnahmen nicht vollständig beseitigt werden.“

Die Gemeinden Hockenheim und Schwetzingen fordern, dass der Güterverkehr auf eine neue Strecke verlegt wird, die den Lärmschutz berücksichtigt. „Für Schwetzingen wäre dies etwa durch den Bau eines neuen Tunnels südlich Mannheims möglich“, so Pöltl. Die Metropolregion Rhein-Neckar habe sich dieser Forderung angeschlossen.

Initiative fordert Tunnelführung

Gunther Mair von der Initiative „Gesundheit statt Bahnlärm in Mannheim“ bekräftigt auf Anfrage dieser Redaktion Kritik, die ebenso an der bereits im Planfeststellungsverfahren stehenden Strecke Frankfurt – Mannheim geübt wird. Die Initiative fordert in Mannheim im Bereich der östlichen Riedbahn eine Tunnelführung, durch die die Geräuschbelastung durch den Güterverkehr gemindert wird.

Die Initiative kritisiert zudem, dass die Bahnprojekte Frankfurt – Mannheim sowie Mannheim – Karlsruhe nicht im räumlichen Gesamtzusammenhang bewertet würden. Auch für die Strecke nach Karlsruhe müsse geprüft werden, ob die bisherige Planung von zwei Gleisen im Hinblick auf die Verkehrswende ausreichend sei. Geweke hält dagegen: „Im Moment gibt es keine Anzeichen, dass die Strecke nach Fertigstellung gleich wieder ausgelastet wäre“, so der Projektleiter.

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