Wirtschaft

Kolumne Wie sein intelligentes Zuhause unserem Autor eine Weihnachtsüberraschung bescherte

Über Grenzen smarter Geräte

Archivartikel

Mannheim.An Heiligabend war es kalt in meiner Wohnung. Mein Kaffeevollautomat hatte mir nicht wie üblich um 6.30 Uhr meinen Café Crema rausgelassen. Er wäre ohnehin kalt geworden, da mich mein Smartphone nicht geweckt hatte. Ich wachte um 9.12 Uhr überrascht von selbst auf und es schien, als stünde die Welt still. Die Lichter waren aus, die Rollläden unten und es war ruhig – und kalt. Irgendwie auch ein bisschen unheimlich.

Ich nahm mein Smartphone und schaltete das Licht ein. Okay, Strom war da. Die Rollläden fuhren hoch, nachdem ich sie manuell ansteuerte.

Ich entschloss mich, eine warme Dusche zu nehmen, um aufzutauen. Doch das Wasser war kalt. Was war hier los? Heizung defekt? Warum hat mich meine Heizungs-App dann nicht gewarnt? Oder hat sich jemand Zugang zu meiner Smart-Home Umgebung verschafft?

Es gab bereits viele Fälle, bei denen Eindringlinge Passwörter geknackt hatten und sich virtuell Zugang zu Häusern, Heizungsanlagen oder Kaffeemaschinen verschafft hatten. Aus sicherer Entfernung hatten Kriminelle Alarmanlagen deaktiviert und Wohnungen lautlos über intelligente Türschlösser geöffnet. Anschließend hatten sie die Behausungen in aller Ruhe ausgeräumt, während die Hausherren im Urlaub oder bei der Arbeit waren.

Waren Hacker am Werk?

Ein anderes beunruhigendes Szenario, von dem man immer mal wieder hört: Hacker verschaffen sich durch im Wohnzimmer eingebaute Internet-Kameras Einblick ins Privatleben der Besitzer. Der häufigste Schwachpunkt dabei: schlechte oder gar keine Passwörter zum Schutz der Geräte, die jeweils mit einer IP-Adresse im Internet verbunden sind. Oft werden die Passwörter, die werksseitig eingestellt und in diversen Foren im Internet zu finden sind, nicht geändert. Ein leichtes Spiel für Kriminelle.

Nachdem ich mich langsam wieder aufgewärmt und meine Kaffeemaschine mir meinen Café Crema kredenzt hatte, änderte ich alle Passwörter – von den intelligenten Lichtschaltern, Thermostaten, Glühbirnen über die Lautsprecher bis hin zum Sicherheitssystem und der Kaffeemaschine.

Am Nachmittag erinnerte mich mein Kalender an eine Verabredung zum Abendessen im Restaurante Vegano Bon Lloc, Adresse: Carrer de Sant Feliu, 7, 07012 Palma, Illes Balears, Spanien, mit meinen alten Kumpels Matthias und Dirk. Völlig verwirrt rief ich Dirk an und erzählte ihm von den eigenartigen Geschehnissen. Wir erinnerten uns, dass wir im vergangenen Sommer überlegt hatten, über die Weihnachtsfeiertage zusammen nach Spanien zu fahren. Das gut besuchte Restaurant hatte ich weit im Voraus gebucht. Und die Reservierung vergessen.

Denn wir hatten dann die Reise aufs nächste Jahr verschoben, da Dirk über Weihnachten arbeiten musste. Ein wenig erleichtert schaute ich nach dem Gespräch in meinem Kalender nach. Tatsächlich hatte ich den Weihnachtstrip nach Mallorca im Kalender geblockt.

Jetzt wurde mir langsam klar, was geschehen war: Meine „intelligenten“ Hausgeräte gingen aufgrund des Kalendereintrags davon aus, dass ich zu diesem Zeitpunkt gar nicht zu Hause war. Daher fuhr die Heizung runter, die Warmwasseraufbereitung schaltete ab. Die Wohnung blieb dunkel und die Rollläden unten. Leider war mein smartes Zuhause nicht schlau genug, um zu bemerken, dass ich in Mannheim geblieben war.

Als ich meinen Kalendereintrag gelöscht hatte, fuhr die Heizung automatisch hoch und am Abend war meine Wohnung wieder warm. Bei aller Verwirrung an diesem Morgen war ich sehr froh, nicht gehackt worden zu sein.

Andreas Holtschulte arbeitete beim Walldorfer Softwarekonzern SAP und ist mittlerweile freier Berater. In seiner Kolumne schreibt er regelmäßig über Digitalisierung sowie ihre Auswirkungen auf Wirtschaft und Verbraucher.

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