Wirtschaft

Analyse Der Breitbandausbau in der Region kommt zwar voran – die Digitalisierung aber ist immer einen Schritt voraus

Überall schnelles Internet – schön wär’s

Rhein-Neckar.Nordrhein-Westfalen, im Jahr 2017. Im idyllischen Hamminkeln verlegt die Dorfgemeinschaft ihr Glasfaserkabel selbst. Wie macht sie das? Mit Traktoren und einer speziellen Maschine – selbst finanziert. Warum? Weil kein Telekommunikations-Betreiber sich für den Ausbau des 21 Kilometer langen Stücks zwischen den Gehöften interessiert. Es ist schlicht unrentabel. Für die Hamminkelner heißt es daher: Eigeninitiative extrem.

Meseberg in Brandenburg, im Jahr 2019. Das Kabinett kommt unter Leitung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Gästehaus der Bundesregierung zu einer Klausurtagung zusammen, um sich mit dem digitalen Wandel zu befassen.

Strategien, Pläne und Konzepte

Rhein-Neckar-Region, im Jahr 2020. Die Wirtschaftsnation Deutschland – und damit auch die Metropolregion – spricht immer noch über Breitbandausbau, über Digitalisierung. Es geht um Strategien, Pläne, Konzepte. Doch tatsächlich ist auch einiges geschehen – und geschieht weiterhin: In ländlichen Gebieten, die im Gegensatz zu den Ballungszentren der Region meist noch schlecht versorgt sind, ist man kreativ. Im Neckar-Odenwald-Kreis zum Beispiel fuhren letzten Sommer in dessen Auftrag Messwagen, die die Mobilfunkversorgung untersuchten. Mobilfunk- und reinen Funkturmbetreibern soll so beim Suchen nach geeigneten Standorten für neue Masten geholfen werden.

Im Kreis Bergstraße erarbeitete ein Breitbandberater mit Kommunen und Anbietern Lösungen für das Schließen von Netzlücken. Der Rhein-Neckar-Kreis organisiert derweil durch den Zweckverband Fibernet den Ausbau von Glasfaser. Nach dessen Angaben sind in den vergangenen vier Jahren dort mehr als 300 Kilometer Glasfaserhauptstrang und örtliche Zuführungstrassen gebaut worden.

Technologie verändert sich

Aber setzt man überall in der Region auf die richtigen Technologien? Setzt man auf das richtige Unternehmen? Auf das richtige Kabel? Ist das alles schnell genug? Und: Was ist aktuell schnell? Viele Akteure sind zudem an den Ausbau-Prozessen beteiligt. Das macht es nicht leichter. Man muss sich außerdem die vorangegangenen Fragen – auch beim Beobachten und Bewerten – des Ausbaus stets neu stellen, weil sich Technologie immer verändert.

Wir kommen hier zu einer Eigenschaft, die auch die Digitalisierung mitbringt – genau so wie das schnelle Internet selbst: konstante Veränderung. „Es ist fast unmöglich, die Frage danach zu beantworten, wann wir flächendeckend schnelles Internet haben werden“, sagt Dennis Horn, Onlineexperte und Berater für Digitalthemen.

Denn der Begriff „Schnelles Internet“ unterliege stetiger Veränderung, sagt Horn. „Ich könnte jetzt sagen, dass das in 20 Jahren ist. Doch in 20 Jahren wird der Begriff schon wieder eine völlig andere Bedeutung haben.“

An dieser Stelle noch einmal zurück zu den anfangs des Textes genannten Strategien, Plänen und Konzepten: Denn hier liegt der Knackpunkt. Es wird geplant und verkündet, aber es folgt kein wirklich gebündeltes Durchgreifen. Und das, wenn es um eine Materie geht, die sich stetig verändert? Genau deshalb ist nicht nur die Prognose schwer, sondern deshalb kommt auch niemand so richtig beim Thema voran. Und das ist so, weil es keine Kompetenz in Deutschland gibt, die übergreifend zur Tat schreitet und das schnelle Internet plant und organisiert – Taten vollbringt und wenn nötig, ein Recht zum Durchgreifen hat.

Fakten, wie dass der Bund an der Deutschen Telekom, die bekannt für ihr langsames Kupferkabel ist, mit etwa 32 Prozent beteiligt ist, helfen nicht weiter. Marketingsprech, ständige Pressemitteilungen mit Tenor „Strategie“, „Investition in...“, „Masterplan“ „Ziel“ helfen nicht weiter.

Jetzt die Debatte um Huawei und 5G, die aktuell schnellste Generation des Internets. Firmen wollen 5G auf abgegrenzten Gebieten testen – auch im Südwesten. Aber: Wie sieht es in der Stadt aus, wenn 5G kommt? Hohe Frequenzen, notwendig auch für autonomes Fahren, heißt viele, eng zusammenstehende Masten. Wie soll das gehen, wenn schon jetzt alle schnelles Netz, aber keine Masten in der Nähe haben wollen?

Superpower gesucht

Was fehlt, ist eine einheitliche –durchgreifende – Superpower, die das Thema digitale Grundversorgung federführend bundesweit in der Hand hat. Und alle anhört. Nämlich ein Digitalministerium. Mit Kompetenzen. Mit Macht.

Ein Ministerium, das die fluide Materie stetig beobachtet – und handelt: Die Antwort auf die Frage „Wann haben wir alle in der Region schnelles Internet?“ lautet also: Nicht bevor wir ein Digitalministerium auf Bundesebene haben. Und das kann dauern.

In ihrer Analyse verbindet Lea Seethaler Fakten und ihre persönliche Meinung zum schnellen Internet in der Region.

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