Wirtschaft

Forschung Curavec-Vorstand dementiert bei Entwicklung von Corona-Impfstoff Offerten aus den USA / Mehrere Medikamente gegen Covid-19 möglich

„Unsere Technologie stößt auf weltweites Interesse“

Archivartikel

Tübingen.Das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac hat erneut jegliche Gerüchte zurückgewiesen, dass die USA – genauer noch: Präsident Donald Trump – die Firma übernehmen und den dort in Entwicklung befindlichen Corona-Impfstoff exklusiv für die USA sichern möchte. „Wir wissen nicht, woher die Spekulationen um ein angeblich exklusives Angebot aus dem Weißen Haus kommen“, sagte Friedrich von Bohlen, Mitglied des Curevac-Aufsichtsrats, in einer Telefonkonferenz.

„Dass unsere Technologie auf ein weltweites Interesse stößt, ist offensichtlich“, ergänzte Franz-Werner Haas, stellvertretender Vorstandsvorsitzender. „Aber wir, als kleines Biotechnologie-Unternehmen, hatten zu keinem Zeitpunkt ein Angebot auf dem Tisch. Wir hatten auch keine Diskussion darüber, dass die USA nun Curevac übernehmen werden oder sollen.“

Curevac hätte in der Vergangenheit durchaus mit US-Institutionen zusammengearbeitet – zum Beispiel mit der Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA), eine Behörde des US-Verteidigungsministeriums, die Forschungsprojekte für die Streitkräfte der Vereinigten Staaten durchführt. Oder mit NIH, dem Nationalen Gesundheitsinstitut der USA. „Aber jegliche Übernahmegerüchte stimmen einfach nicht. Wir entwickeln einen Impfstoff für die Welt und sind allen Menschen verbunden“, so von Bohlen weiter. Auch ein Konkurrenzdenken um den Corona-Impfstoff existiere nicht. „Es ist kein Rennen zwischen nationalen oder internationalen Unternehmen, sondern eines gegen die Zeit. Es gibt Pharma- und Biotech-Firmen, die ähnliche Technologien, wie unsere haben. Aber jeder verfolgt einen anderen Ansatz. Wir fokussieren uns auf unseren und ja, wollen auch die Besten sein.“

Dennoch: Es sei gut möglich, dass mehrere Medikamente und Impfstoffe gegen Covid-19 parallel in den Markt eintreten. „Aber es gibt doch nichts besseres, als mehr als eine Waffe gegen das Virus zu haben.“ Mit dem 80-Millionen-Euro-Kredit, den Curevac von der EU-Kommission erhält, sollen sowohl die klinischen Tests als auch die Produktion des Impfstoffs finanziert werden.

Man gehe derzeit davon aus, dass man – ähnlich wie beim Tollwut-Impfstoff – eine sehr niedrige Dosierung brauchen wird, um sich gegen das Coronavirus zu schützen, so Curevac-Mitbegründer und Vorstandsmitglied Florian von der Mülbe. „Wir werden das alles genauer sagen können, wenn wir den Wirkstoff an Menschen testen.“ Zunächst sollen zehn Millionen und in einem nächsten Schritt eine Milliarde Dosen produziert werden. Der Impfstoff soll zunächst an Patienten getestet werden, die besonders unter einer Corona-Infektion leiden.

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