Wirtschaft

Konjunktur ZEW-Präsident empfiehlt Steuersenkungen in Maßen

Unternehmen setzen auf Investitionen

Mannheim.Die Auftragsbücher der Unternehmer sind voll, die Menschen schwelgen in Kauflaune, die Konjunktur in Deutschland legt weiter an Geschwindigkeit zu. Als durchweg „sehr erfreulich“ schätzt Achim Wambach, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim, den anhaltenden Aufschwung ein. „Vor allem, weil Europa insgesamt wächst. Das ist ein guter Zeitpunkt, um europäische Themen anzugehen“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Risiken sieht er in den Brexit-Verhandlungen und den Wahlen in Italien. Auch die jüngste US-Steuerreform könnte für einen Dämpfer sorgen. „Es ist zu überlegen, ob wir nicht auf die stark gesunkene Unternehmenssteuer dort reagieren sollten.“ Ansonsten könnte es für Betriebe künftig deutlich attraktiver werden, sich in den Staaten anzusiedeln, gibt Wambach zu bedenken.

Genau abzuwägen gelte es bei der Frage: Steuern senken oder investieren? „Beides in Maßen“, lautet die Empfehlung des ZEW-Präsidenten. „Gerade angesichts des starken Anstiegs bei der Einkommensteuer wäre die Gelegenheit gut, die kalte Progression zu bereinigen.“ Oft bleibt tatsächlich nach einer Lohnerhöhung unterm Strich weniger Geld übrig als zuvor. Wambach sieht allerdings auch großen Investitionsbedarf, vor allem im Verkehrsnetz, dem Breitbandausbau sowie in den Bereichen Schule und Bildung.

Für die Unternehmen sei es wichtig, sich frühzeitig auf die immer stärkere Digitalisierung und die Energiewende einzustellen. „Das braucht Zeit“, ist sich Wambach sicher. Besonders in Forschung und Entwicklung müsse viel investiert werden.

Auch die Betriebe in der Region profitieren vom anhaltenden Aufschwung. „Die Konjunktur brummt in allen Bereichen“, bestätigt ein Sprecher der Handwerkskammer Mannheim. Die Auftragsbücher sind voll, Kunden müssten auf Termine immer länger warten. Gleichzeitig investierte ein Großteil der Unternehmen in ihre Maschinen- und Fuhrparks. „Die Nullzinspolitik in Europa setzt hier große Impulse“, sagt der Sprecher. Weil Geld auf der Bank kaum Gewinne abwerfe, legten die Handwerker ihre Einnahmen lieber in Sachwerten an. Viele würden auch gerne selbst ausbilden. Nach wie vor gebe es aber zu wenige geeignete Bewerber.

Region profitiert

„Für das Jahr 2018 überwiegt der Optimismus“, hat Axel Nitschke, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar, festgestellt. Den Unternehmen gehe es gut. „Viele Betriebe wollen mehr investieren, die Zahl der Ausbildungsverträge steigt.“ Allerdings sehe mehr als jedes zweite Unternehmen im Fachkräftemangel einen Hemmschuh für sein Wachstum. Vor allem in der IT-Wirtschaft, der Bauwirtschaft sowie der Hotellerie und Gastronomie werde händeringend Personal gesucht.

Der Konjunkturexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Ferdinand Fichtner, sieht in der alternden Gesellschaft die größte anstehende Wachstumsbremse. „Uns gehen in Deutschland die Arbeitskräfte aus“, warnt der Forscher. Das zunehmende Angebot an freien Stellen müsste eigentlich für höhere Entgelte sorgen. Doch die Lohnsteigerungen in 2017 fielen moderat aus. Laut Statistischem Bundesamt erhöhte sich der durchschnittliche Nettolohn um 2,4 Prozent auf 1892 Euro. Rechnet man die Teuerungsrate heraus, verblieb ein reales Lohnplus von 0,6 Prozent.