Wirtschaft

Medien Zukunft des TV-Senders gesichert / Landesförderung als Basis / Rund ein Drittel der Mitarbeiter muss gehen

Unternehmer übernimmt RNF

Mannheim.Die Freude war am Mittwochabend mit Händen greifbar. Mit einer „sehr, sehr guten Nachricht“ begrüßte Moderator Benjamin Heinrich um 18 Uhr die Fernsehzuschauer des Magazins RNF life an einem „sehr besonderen Tag“.

Warum er dies vor allen Dingen für die Anhänger des privaten Mannheimer TV-Senders und für die meisten seiner Mitarbeiter war, erklärte dann Ralph Kühnl, Geschäftsführer des Rhein-Neckar-Fernsehens (RNF): „Das RNF ist raus aus der Insolvenz. Der Sende- und Geschäftsbetrieb ist dauerhaft gesichert.“

Gründer der Softwarefirma SNP

Verantwortlich ist dafür ein Mann, der bislang laut Kühnl „mit Medien nicht so besonders viel zu tun gehabt hat“, der dafür jedoch in einem anderen Bereich Erfolge vorweisen kann: Andreas Schneider-Neureither (Bild). Der studierte Physiker und Ökonom hat vor rund 25 Jahren das Heidelberger Softwareunternehmen SNP gegründet, das sich weltweit einen Ruf mit Lösungen für Geschäfts-Software erarbeitet hat und dessen Vorstandsvorsitzender Schneider-Neureither nach wie vor ist. Nun darf er sich auch als Retter des Mannheimer TV-Senders bezeichnen.

Dieser gehörte nach einer Insolvenz in Eigenverwaltung seit Januar 2019 zur Mediengruppe Dr. Haas, die unter anderem den „Mannheimer Morgen“ herausgibt. Nachdem die Werbeeinnahmen hinter den Erwartungen zurückgeblieben waren, musste das RNF Ende September 2019 jedoch erneut Insolvenz anmelden.

Mit Beginn des Jahres übernimmt Schneider-Neureither als Privatmann die kompletten Anteile einer neuen Gesellschaft, die wiederum neben dem Namen auch Sendelizenzen, Studio und Produktionsmittel der früheren RNF-Gesellschaft übernimmt. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht.

„Ich sehe die Notwendigkeit eines journalistisch geprägten Fernsehsenders in der Metropolregion Rhein-Neckar”, erklärte Schneider-Neureither in einer Mitteilung seine Beweggründe für das Engagement in der Medienbranche. „Die Metropolregion Rhein-Neckar will zu den attraktivsten Regionen in Europa gehören – bei diesem Anspruch gehört ein Fernsehsender zur Infrastruktur dazu.“

Neben dem Unternehmer gibt es allerdings auch einen weiteren Retter: das Land Baden-Württemberg. Der Landtag hat im November im Doppelhaushalt für dieses und kommendes Jahr 8,4 Millionen Euro Fördergelder für sieben regionale TV-Sender bewilligt. Zusammen mit der Infrastrukturförderung der Landesanstalt für Kommunikation von 1,5 Millionen Euro steht dem RNF damit eigenen Angaben nach theoretisch jedes Jahr ein Zuschuss von 814 000 Euro zur Verfügung. Zwar sind die konkreten Fördermodalitäten noch nicht bekannt, weshalb sich diese Summe nochmals ändern kann. Dennoch ergab sich laut Kühnl so erst die Basis für die weitere Geschäftstätigkeit: „Ohne Förderung wäre es wahrscheinlich nicht möglich gewesen, profitabel zu arbeiten.“

Änderungen im Programm

Eine weitere Voraussetzung war allerdings auch, dass sich das RNF von rund einem Drittel seiner zuletzt 31 Beschäftigten trennt und künftig mit einem Stamm von 20 festen sowie weiteren freien Mitarbeitern sein Programm gestaltet. Allerdings müsse sich auch die Einnahmesituation verbessern, erklärte der neue Eigentümer. Beim Programm soll es ebenfalls Änderungen geben. Neben dem regionalen Sport will der Sender etwa verstärkt Musikern aus dem Rhein-Neckar-Gebiet eine Plattform bieten. Zudem sollen mehr jüngere Zuschauer etwa über digitale Angebote angesprochen werden.

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