Wirtschaft

Tourismus Reisewarnung für viele europäische Länder endet am Montag / Hinweise sollen weiter auf Risiken aufmerksam machen

Urlaub auf eigene Gefahr

Archivartikel

Berlin.Fast drei Monate lang hat die Bundesregierung wegen Corona vor Urlaubsreisen in alle rund 200 Länder der Welt gewarnt. Für den größten Teil Europas ist am Montag Schluss damit. Die Bundesregierung will damit den Sommerurlaub von den griechischen Inseln bis zur Algarve ermöglichen.

Für welche Länder wird die Reisewarnung aufgehoben?

Für die 26 Partnerländer Deutschlands in der EU, das gerade aus der EU ausgetretene Großbritannien und die vier Staaten des grenzkontrollfreien Schengenraums, die nicht Mitglied in der EU sind: Island, Norwegen, Schweiz und Liechtenstein.

Wird die Warnung für alle Länder gleichzeitig gestrichen?

Nein. Für voraussichtlich 27 dieser Länder erfolgt die Aufhebung an diesem Montag. Für vier Länder kommt es zu einer Verzögerung. Spanien, Norwegen und Finnland müssen erst ihre Einreisesperre aufheben. In Spanien ist das für 21. Juni geplant – mit Ausnahme von bis zu 10 900 Menschen, die für einen Test von Montag an nach Mallorca und auf die anderen Balearen-Inseln fliegen dürfen. In Finnland gilt die Einreisesperre bis 14. Juli. In Norwegen ist die Sperre unbefristet. In Schweden ist die Zahl der Neuinfektionen zu hoch.

Kann eine aufgehobene Reisewarnung reaktiviert werden?

Ja. Die Bundesregierung hat Kriterien für die Aufhebung der Reisewarnung aufgestellt. Wenn diese von den Ländern nicht mehr erfüllt werden, kann die Warnung reaktiviert werden. Es geht im Wesentlichen um drei Punkte: den Zustand des Gesundheitssystems, den Schutz der Touristen an den Urlaubsorten durch Hygienemaßnahmen oder Abstandsregeln und die Entwicklung des Infektionsgeschehens. Wenn die Zahl der Neuinfektionen in einem Land 50 pro 100 000 Einwohner in einer Woche übersteigt, wird die Reisewarnung reaktiviert.

Ist völlig unbeschwertes Reisen in die Länder möglich, für die es keine Reisewarnung mehr gibt?

Eher nicht. „Genießen Sie Ihren Sommerurlaub, aber genießen Sie ihn mit Vorsicht und genießen Sie ihn in Verantwortung“, empfiehlt Außenminister Heiko Maas. Statt der Reisewarnung wird es ab Montag für die genannten Länder sehr ausführliche Reisehinweise auf der Internetseite des Auswärtigen Amts geben, in denen auf alle Risiken hingewiesen wird. Dem Reisenden ist es dann selbst überlassen, worauf er sich einlassen will. Kurz gesagt heißt das: Urlaub auf eigene Gefahr.

Gibt es bei den Reisehinweisen bestimmte Abstufungen?

Es kann sein, dass für einzelne Länder von einer Reise abgeraten wird. Das soll zum Beispiel für Großbritannien der Fall sein, weil dort eine zweiwöchige Quarantäne für Einreisende gilt.

Was ist mit den Ländern außerhalb der EU?

Für mehr als 160 Länder hat Maas die Reisewarnung bis 31. August verlängert. Es können aber Ausnahmen gemacht werden. Das Problem: Die EU müsste sich hier einig werden, weil innerhalb der Staatengemeinschaft die Grenzen ab Montag wieder weitgehend offen sind. Für Deutschland geht es vor allem um die Türkei als beliebtes Urlaubsland.

Wie ist denn die Lage in der Türkei?

Die Türkei hat die Einreisebeschränkungen weitgehend aufgehoben und den Flugverkehr – auch nach Deutschland – wieder aufgenommen. Die türkische Regierung sagt, dass an Urlaubsorten am Mittelmeer wie Antalya und Bodrum für alle Corona-Sicherheitsvorkehrungen gesorgt sei und fordert eindringlich die Aufhebung der deutschen Reisewarnung. Ägypten – das zweitbeliebteste Urlaubsland der Deutschen außerhalb der EU – will einige seiner Urlaubsorte ab 1. Juli wieder für Touristen öffnen.

Kann ich in ein Land reisen, in dem es eine Reisewarnung gibt?

Grundsätzlich ja. „Eine Reisewarnung ist ja kein Reiseverbot“, sagt Außenminister Maas. Allerdings bieten Veranstalter keine Pauschalreisen in diese Länder an, man kommt also nur auf eigene Faust dorthin. Zwar erlaubt die Reisewarnung eine kostenlose Stornierung einer Reise. Sie schränkt aber auch den Versicherungsschutz derjenigen ein, die trotzdem reisen.

Gilt dann selbst eine private Zusatzversicherung für Auslandsreisen nicht?

Wenn bei der Abreise eine Reisewarnung für das jeweilige Land besteht, dann schließen die Tarife eine Kostenübernahme in der Regel aus, erklärt der Bund der Versicherten. Für alle anderen Länder gilt der Ratschlag, in die Bedingungen des Versicherungsvertrages zu schauen: Sind dort Pandemien ausgeschlossen, bestehe kein Versicherungsschutz.

Komme ich zurück, wenn die Grenzen in meinem Urlaubsland plötzlich geschlossen werden?

Eine Rückholaktion für 240 000 Touristen, wie nach Ausbruch der Pandemie, wird es nicht noch einmal geben. Das hat das Auswärtige Amt bereits mehrfach betont. Unter anderem deswegen wird die Reisewarnung für viele Länder außerhalb der EU auch länger bestehen bleiben. Innerhalb der Europäischen Union war die Rückkehr der Touristen auch nach den Grenzschließungen im März kein größeres Problem. Die Reiseveranstalter versichern, dass sie ihre Kunden selbst zurückbringen. Sie sind laut Pauschalreiserecht auch dazu verpflichtet.

Hilft mir eine Reiserücktrittsversicherung, falls die Corona-Zahlen in meinem Reiseland bis zum Urlaubsbeginn wieder steigen?

Nein. Aus Sorge vor einer Ansteckung eine Reise zu stornieren, ist laut dem Bund der Versicherten „in keinem der Tarife am Markt ein versicherter Fall“. Ersetzt werden Stornogebühren nach Angaben der Organisation vielmehr nur dann, wenn der Versicherte selbst unerwartet krank wird oder an der Abreise durch Ereignisse wie den Tod von Verwandten, Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit verhindert ist. dpa

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