Wirtschaft

Internet Dank einer EU-Verordnung können Nutzer Bezahlinhalte künftig auch im europäischen Ausland abrufen

Urlaub mit der Lieblingsserie

Archivartikel

Brüssel.Am Urlaubsstrand erholen oder die Lieblingsserie weiter schauen? Das eine schließt das andere künftig nicht mehr aus. Ab morgen können EU-Bürger ihre bezahlten Abonnements für Musik und Filme auch im europäischen Ausland nutzen. Das bisherige sogenannte Geoblocking, mit dem dies verhindert wurde, muss auf Betreiben der EU beendet werden. Dazu die wichtigsten Fragen und Antworten:

Welche Online-Inhalte sind künftig auch außerhalb Deutschlands zugänglich?

Es geht um sogenannte Streaming-Dienste, über die sich Medieninhalte direkt aus dem Internet beziehen lassen. Für Musik sind das beispielsweise Spotify, Deezer oder Google sowie Amazon Music, für Filme und Serien Anbieter wie Netflix, Amazon Prime oder Maxdome.

Außerdem wirken sich die neuen Vorschriften auf bezahlte TV-Abo-Sender wie Sky Go aus. Bisher endete das heimische Angebot an den Landesgrenzen, weil das Urheberrecht eine europaweite Nutzung nicht möglich machte. Bei Netflix war es bislang so, dass man im Ausland das Angebot in dem Umfang nutzen konnte, in dem Netflix im jeweiligen Land über die Rechte verfügte. Künftig werden Verbraucher ihre gewohnten Dienste auch unterwegs nutzen können.

Was kostet diese Neuerung zusätzlich?

Es entstehen keinerlei Zusatzkosten. In der EU-Verordnung heißt es ausdrücklich, dass alles so verfügbar sein muss wie zu Hause. Also: gleicher Preis und gleiche Qualität. Außerdem kann der Kunde selber wählen, auf welchen Geräten er das Angebot nutzen möchte.

Wie stellen die Anbieter fest, ob ich ein gültiges Abo habe?

Der Anbieter wird dies bei Vertragsabschluss oder -verlängerung tun. Dabei stehen ihm verschiedene Möglichkeiten zur Wahl, von denen er zwei nutzen darf: Zahlungsangaben, Bezahlung von Rundfunkgebühren, bestehende Internet- oder Telefonverträge, Überprüfung der sogenannten IP-Adresse des jeweiligen Online-Gerätes (Smartphone, Tablet oder Laptop).

Dürfen diese Daten von den Anbietern dauerhaft gespeichert werden?

Nein. Um das Erstellen von Bewegungsprofilen zu verhindern, müssen die Diensteanbieter alle Daten über den Aufenthaltsort ihrer Kunden nach zwei Monaten löschen.

Gilt diese neue Freiheit auch für den „Tatort“ oder die Heute-Nachrichten?

Nein, die öffentlich-rechtlichen Anstalten bleiben zunächst außen vor. Das liegt an ihrer Vergütungsstruktur für urheberrechtlich geschützte Beiträge. Allerdings praktizieren die Sender selbst das inzwischen dort großzügig, wo sie eigene Rechte haben. Die ARD bietet nach eigenen Angaben über 90 Prozent ihrer Sendungen ohne Geoblocking an. Der „Tatort“ und vor allem die Nachrichten-Sendungen sind also überall abrufbar.

Warum war das alles bislang so schwierig?

Hintergrund für den Wirrwarr sind Urheberrechtsfragen. Lizenzen für Filme und Produktionen mussten bisher für jedes Land einzeln erworben werden. Das ist ein großes Geschäft. Selbst die namhaften Hollywood-Studios haben die Verordnung bekämpft. Nun ist geklärt, dass der Kunde eines Bezahl-Dienstes ja seine Gebühren für die Rechte entrichtet – egal, wo er ein Angebot nutzt.

Es gibt auch kostenlose Online-Dienste. Müssen die sich ebenfalls nach den neuen Vorschriften richten?

Nein. Tatsächlich können sie wählen, ob sie ihr Angebot freischalten, also auch außerhalb der Grenzen des Wohnsitzlandes anbieten oder nicht.

Gibt es eine Begrenzung für den Auslandsaufenthalt? Oder darf ich ein solches Abo auch nutzen, wenn ich dauerhaft in ein anderes Land ziehe?

Nein. In der Verordnung ist ausdrücklich von kurzzeitigen Aufenthalten die Rede. Dazu zählen ganz sicher Urlaubs- oder Geschäftsreisen – und wohl auch der Aufenthalt zum Studium. Wer aber beispielsweise als Rentner seinen Wohnsitz in ein anderes EU-Land verlegt, muss sich einen inländischen Anbieter suchen.

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