Wirtschaft

Hawala-Prozess Mannheimer Verfahren deutlich verkürzt

Urteil schon am Dienstag

Archivartikel

Mannheim.Der Prozess wirkt wie eine Gruppenarbeit. Bei der am Mittwoch fortgesetzten Verhandlung gegen den 39-jährigen Mohammed Jamil A. arbeiten sich alle Parteien zusammen durch die Einzelbeträge, die der Angeklagte im Rahmen des sogenannten Hawala-Bankings eingesammelt oder übermittelt haben soll. Die Kooperation des Angeklagten ist wohl auch der Grund dafür, dass der Prozess deutlich verkürzt wird. Angedacht waren zu Beginn noch acht Verhandlungstage. Nun soll am vierten schon das Urteil fallen. Bereits beim Auftakt vergangene Woche hatte A. gestanden. Nur die Höhe des in der Anklage stehenden Betrags war noch strittig.

Das hierzulande illegale Hawala-Banking ist ein komplexes System, bei dem ein Händler Geld von seinen Kunden erhält und Kontakt zu einem weiteren Händler aufnimmt, der dieselbe Summe aus einem gesonderten Geldtopf an den Empfänger gibt. So sind Transaktionen über die ganze Welt verteilt möglich.

Am Mittwoch erklären zwei in diesem Fall tätige Ermittler der Heidelberger Kriminalpolizei ihre Arbeitsweise und auch, wie sie A. wahrgenommen haben. „Er war höflich“, sagt einer der beiden. „Er hat sich auch entschuldigt – es tue ihm leid, dass er uns solche Arbeit mache.“

Doch kein Chef des Netzwerks

In der Anklage hieß es, A. soll als einer der Chefs eines Netzwerks Gelder in Höhe von fast 14 Millionen Euro empfangen und weitergeleitet haben. „Rädelsführer“, nannte es der Karlsruher Staatsanwalt Manuel Graulich. Im Prozess stellt sich jedoch heraus, dass A. auch nur eines von vielen kleineren Rädchen war. „Um den Rädelsführer werde ich nicht kämpfen“, sagt der Staatsanwalt. Auch die Summe des übermittelten Betrags wird sich wohl noch einmal reduzieren. Am Dienstag (17. 11.) wird das Urteil erwartet. jor

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