Wirtschaft

Elektromobilität Twitter-Nachricht über Zukunft des Konzerns hat für Milliardär dramatische Konsequenzen

US-Aufsicht verklagt Tesla-Chef Elon Musk

Archivartikel

New York.Tesla-Chef Elon Musk (Bild) ist von der US-Regierung verklagt worden und könnte wegen ein paar halbgarer Tweets lebenslang aus Chefetagen börsennotierter Unternehmen verbannt werden. Zum Verhängnis werden könnte ihm die überraschende Ankündigung, den Elektroautobauer von der Börse nehmen zu wollen. Die Börsenaufsicht SEC wirft Musk in ihrer Klage vor, dabei falsche und irreführende Angaben gemacht zu haben.

Musk bezeichnete die Klage als ungerechtfertigt, das Vorgehen der SEC mache ihn „tieftraurig und enttäuscht“. Anleger reagierten höchst beunruhigt: Teslas Aktien fielen zwischenzeitlich im US-Handel gestern um rund zwölf Prozent. Laut Analyst Brian Johnson von der Bank Barclays könnte der Tesla-Chef durch die Klage dauerhaft aus dem Unternehmen gedrängt werden, was die Aktie weiter massiv belasten würde.

Musk hatte am 7. August in einer Serie von Tweets angekündigt, er erwäge, Tesla zum Preis von 420 Dollar pro Aktie von der Börse zu nehmen. „Finanzierung gesichert“, fügte er hinzu. Der Plan sorgte sofort für Argwohn, da er völlig überraschend kam und dafür sehr viel Kapital erforderlich gewesen wäre, das Tesla nicht hatte. Nach nur gut zwei Wochen wurde das Projekt dann – genauso unerwartet, wie es angekündigt wurde – wieder abgeblasen. Musk begründete den Rückzieher mit negativen Reaktionen von Anlegern.

Doch der Schaden war nicht mehr abzuwenden: Wegen des Verdachts auf Marktmanipulation folgten Sammelklagen von Investoren und Ermittlungen der SEC. Laut US-Medienberichten prüft auch das Justizministerium den Fall.

Das „Wall Street Journal“ berichtete, die SEC habe eigentlich eine Einigung mit Musk ausgehandelt – am Donnerstagmorgen hätten aber seine Anwälte den Deal überraschend abgelehnt. Die Behörde habe dann im Eiltempo die Klage vorbereitet und in New York eingereicht.

Absicht oder Leichtsinn?

Die Aufseher wollen Musk unter anderem richterlich verbieten lassen, Posten in der Chefetage oder in Verwaltungsräten börsennotierter Unternehmen zu halten. Musk konterte, er habe im Sinne von Wahrheit und Transparenz stets im besten Interesse der Anleger gehandelt. Der Verwaltungsrat von Tesla stellte sich hinter ihn. Musk ist auch Chef des Weltraumunternehmens SpaceX und der Tunnelbohr-Firma Boring Company, die nicht an der Börse notiert sind.

Die SEC beschuldigt Musk, Investoren wissentlich oder durch Leichtsinn in die Irre geführt zu haben. Während er öffentlich behauptet habe, einen Deal für einen Börsenabgang in der Tasche zu haben, seien Eckpunkte eines solchen Vorhabens wie der Kaufpreis in Wirklichkeit mit potenziellen Geldgebern noch nicht einmal diskutiert worden. Auch habe er nie recherchiert, ob eine größere Zahl von Anlegern tatsächlich nach dem Rückzug von der Börse an Bord bleiben könnte – wie Musk es in seinen Tweets in Aussicht gestellt hatte. dpa