Wirtschaft

Interview Vorstandsvorsitzender Tom Blades sieht die Wende nach Umstrukturierungen vor allem bei der Tochter Westcon geschafft

„US-Geschäft trägt 2018 zum Gewinn bei“

Archivartikel

Houston.Tom Blades, Vorstandsvorsitzender von Bilfinger, setzt auf die USA als Wachstumsmarkt. Er will aber nicht komplett von der Öl- und Gasbranche abhängig sein, sondern das Geschäft mit anderen Branchen ausbauen.

Herr Blades, die US-Regierung droht mit Sanktionen gegenüber deutschen Firmen, die am Bau der Ostsee-Pipeline für russisches Erdgas Nordstream 2 beteiligt sind. Auch Bilfinger hat einen 15 Millionen-Auftrag im Bereich Automatisierung – eine Gefahr für Ihr US-Geschäft?

Tom Blades: Nein, wir fühlen uns nicht angesprochen, denn wir zählen anders als etwa BASF nicht zu den westlichen Projektpartnern der Pipeline. Wir haben nur einen kleinen Part gespielt. Und wir haben schon geliefert, der Auftrag ist abgeschlossen.

Sie haben in Ihrer Strategie die USA als eine von vier Kernregionen für Bilfinger festgelegt – wie schätzen Sie den US-Markt ein?

Tom Blades: Es ist eine Wachstumsregion. Unser Hauptgeschäft in den USA und Texas, der Anlagenbau, ist getrieben vom billigen Schiefergas. Wir profitieren von den Investitionen der Öl- und Gasbranche an der US-Golfküste – und die hat ein Investitionsprogramm von 300 Milliarden Dollar über mehrere Jahre gestartet.

Haben Sie keine Sorge, zu abhängig von der Öl- und Gasbranche zu werden?

Blades: Wir erwirtschaften direkt mit Öl- und Gaskunden 20 Prozent unseres Konzernumsatzes, dazu kommen 15 Prozent aus der Petrochemie. Insgesamt sind es also zurzeit 35 Prozent. Wir wachsen aber in anderen Bereichen, etwa bei Biopharma. Das heißt, der Anteil am Konzernumsatz wird sich verringern, das Öl- und Gasgeschäft insgesamt wird aber nicht weniger. Es wäre auch Wahnsinn, sich davon zu trennen.

Zurück zum US-Geschäft: Als Sie bei Bilfinger anfingen, lief es nicht so gut. Sie mussten 2017 sogar eine Gewinnwarnung wegen Altprojekten der Tochter Westcon herausgeben.

Blades: Wir mussten deshalb 55 Millionen Euro Rückstellungen bilden, aber die Projekte sind inzwischen abgeschlossen. Wir haben auch entsprechende Rechtsstreitigkeiten gewonnen. Ein Verfahren läuft noch.

Sie haben seitdem einiges bei den US-Töchtern verändert.

Blades: Ja, vor allem Westcon war eine harte Nuss. Wir haben die komplette Führungsebene ausgetauscht und ein ganz neues System zum Projektrisiko-Management aufgebaut. Von diesem System kann jetzt der ganze Konzern lernen. 2017 hat das US-Geschäft noch Verluste gemacht, 2018 trägt es zum Gewinn bei.

Das Interview mit Tom Blades wurde in den USA geführt.