Wirtschaft

Tarifstreit Warnstreiks des Sicherheitspersonals treffen auch Stuttgart hart / Verhandlungen seit Herbst

Verdi erhöht Druck an Flughäfen

Stuttgart/Berlin.Zahlreiche Menschen können heute wegen eines Warnstreiks nicht am Flughafen Stuttgart starten oder landen. Die Fluggesellschaften hätten bereits 125 der 270 geplanten Flüge gestrichen, teilte der Flughafen gestern Nachmittag mit. Die übrigen Fluggäste müssten sich auf lange Wartezeiten einstellen, rund 25 000 sind nach Schätzungen insgesamt betroffen. „Wir rechnen mit erheblichen Einschränkungen“, sagte ein Sprecher.

Mehr Zeit einplanen

Die Sicherheitsbeschäftigten in Stuttgart ebenso wie in Düsseldorf und Köln-Bonn sind zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen, wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte. Die erneuten Warnstreiks seien eine Reaktion darauf, dass der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) nach den jüngsten Warnstreiks am Montag an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld kein verbessertes Angebot vorgelegt habe, so die Gewerkschaft.

Der Streik in Stuttgart soll laut Verdi mit der ersten Frühschicht gegen drei Uhr aufgenommen werden. „Wir raten allen Passagieren, sich schon vor der Fahrt zum Flughafen bei der Airline, dem Reiseveranstalter oder auf der Flughafenwebsite zu informieren“, so der Flughafensprecher. An den Terminals müsse mehr Zeit eingeplant werden. Reisende sollten ihr Handgepäck auf das Nötigste beschränken.

Auch weitere Streiks seien nicht auszuschließen, sagte Verdi-Verhandlungsführer Benjamin Roscher. „Den Arbeitgebern sollte klar sein, dass die Beschäftigten bereit und in der Lage sind, für ihre Forderungen einzutreten.“ Während der Warnstreik in Berlin nur wenige Stunden dauerte, soll er sich in den westdeutschen Städten nun über den ganzen Tag erstrecken.

Hintergrund sind die bislang ergebnislosen Tarifverhandlungen zwischen dem BDLS und Verdi für rund 23 000 Beschäftigte der Flugsicherheit. Die Gewerkschaft will einen Stundenlohn von bundesweit 20 Euro bei der Passagier-, Fracht-, Personal- und Warenkontrolle durchsetzen. Die Tarifgespräche waren schon im Herbst gestartet, ohne zu einem Ergebnis zu führen – derzeit sind die Fronten verhärtet.

Bei der Bezahlung gibt es große regionale Unterschiede – in Ostdeutschland sind es nach Arbeitgeberangaben bei Passagierkontrolleuren 14,70 Euro und im Westen bis zu 17,16 Euro pro Stunde. Angestellte, die nur für die Fracht und das Flughafenpersonal zuständig sind, bekommen weniger, hier liegt die Untergrenze bei 12,90 Euro – so viel wird in Thüringen gezahlt. Hinzu kommen noch Zuschläge für Sonntagsdienste oder Nachtarbeit.

Nach Rechnung der Arbeitgeber bedeutet die Verdi-Forderung eine Anhebung des Lohns um bis zu 44 Prozent und sei damit „völlig unrealistisch“. Sie bieten nach eigener Darstellung ein Plus von bis zu 6,4 Prozent. Das sei „definitiv verhandlungsfähig“, heißt es beim BDLS.

Verdi sieht das anders – für die Gewerkschaft ist das Angebot so niedrig, dass ein Tarifkompromiss nicht möglich ist. Für die meisten Beschäftigten wäre das Arbeitgeberangebot nach Verdi-Rechnung nur ein Plus von zwei Prozent. „Die Beschäftigten der Luftsicherheitsunternehmen müssen für ihre schwere und verantwortungsvolle Aufgabe eine deutlich höhere Entlohnung erhalten“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Benjamin Roscher. dpa

Info: Infos Flughafen Stuttgart: www.flughafen-stuttgart.de

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