Wirtschaft

Studie Dauerstress belastet Beschäftigte

Verdi will Tarifvertrag für die Pflege

Archivartikel

Berlin.Hunderttausende Pflegekräfte in Deutschland fühlen sich durch Überlastung, Dauerstress und geringe Bezahlung ausgezehrt. Eine gestern in Berlin vorgestellte Erhebung von Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) und Verdi zeigt ein Bild von Überarbeitung als Dauerzustand. Helfen soll ein neuer Tarifvertrag.

Drei von vier Pflegern klagen laut der Studie über ständigen Zeitdruck. In der Krankenpflege sagen 80 Prozent, sie müssten ihre Arbeit sehr häufig oder oft in Hetze erledigen, in der Altenpflege 69 Prozent. Ein angemessenes Einkommen vermissen dabei 73 Prozent der Pflegekräfte.

„Schlüssel mehr Personal“

Pflegekräfte wollten die Pflegebedürftigen nicht im Stich lassen und nähmen schlechte Bezahlung und Jobbedingungen so hin, sagt Sylvia Bühler, Mitglied im Verdi-Vorstand. Ende September wolle eine Verdi-Tarifkommission zur Altenpflege die Forderungen für einen neuen Tarifvertrag beschließen. Viele private Anbieter, darunter rein gewinnorientierte Hedgefonds, verweigerten sich Verhandlungen. Ziel sei es, zunächst mit nicht-kirchlichen Wohlfahrtsverbänden zu verhandeln. Mit den kirchlichen Trägern suche man intensiv nach einem Weg, sie an einem flächendeckenden Tarifvertrag zu beteiligen. Die Bundesregierung solle den neuen Tarifvertrag dann wie angekündigt auf den gesamten Bereich ausdehnen.

Private Altenpflege-Anbieter stemmen sich gegen einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag. Der Arbeitgeberpräsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste), Rainer Brüderle, warnte vor einer „Zwangskollektivierung“. Seit 2015 sei das Einkommen in der Altenpflege im Schnitt bereits um gut vier Prozent auf 3209 Euro brutto gestiegen. Der Schlüssel für alles sei mehr Personal. dpa