Wirtschaft

Jubiläum Vor 20 Jahren ging die US-Suchmaschine an den Start / Sorgen um Datenschutz und wegen riesiger Marktmacht

Viel mehr als nur Googeln

Archivartikel

Mountain View/Berlin.„Googeln“ ist zu einem Synonym für die Internet-Suche geworden. Aber der vor 20 Jahren gegründete Konzern ist längst über die Suchmaschine hinausgewachsen – und löst neben Bewunderung auch Datenschutz-Ängste sowie Sorgen um den Wettbewerb aus.

Google hat die Welt verändert. Das sekundenschnelle Auffinden von Informationen im Internet ist in den vergangenen 20 Jahren dank der berühmten Formel des Konzerns zur Selbstverständlichkeit geworden. Damit einher geht aber auch eine beispiellose Ansammlung von Informationen in der Hand eines Unternehmens – und eine Marktmacht, die vor allem in Europa verstärkt Aufseher auf den Plan ruft. Mit künstlicher Intelligenz, selbstfahrenden Autos und Gesundheitsforschung wollen Google und die Konzernmutter Alphabet außerdem bei vielen Zukunftstechnologien den Ton angeben.

Internet-Suchmaschinen gab es schon vor Google. Aber es war der neue Ansatz der Gründer Larry Page und Sergey Brin, der Google schnell nach vorn brachte. Ihre Idee: Nicht ein redaktionell gepflegter Web-Katalog sollte es sein, sondern eine smarte Suchmaschine. Die Relevanz einzelner Webseiten zeigt sich darin, wie oft auf sie verlinkt wird.

Am 4. September 1998 registriert

Inzwischen spielen im Google-Algorithmus hunderte weitere Faktoren mit. Die erste Version ihrer Suchmaschine, die zunächst BackRub hieß, programmierten Page und Brin ab 1996 noch zuhause. Relativ schnell wurde sie in Google umbenannt – eine Anspielung auf das Wort „Googol“, die mathematische Bezeichnung für eine 1 mit 100 Nullen. Um einen Scheck über 100 000 Dollar einlösen zu können, wurde Google schließlich am 4. September 1998 als Unternehmen registriert. Die Mission: Alle Informationen auf der Welt zu ordnen und für alle zugänglich zu machen.

Als erstes Büro suchten sich Page und Brin standesgemäß eine Garage im Herzen des Silicon Valley. Ihre Vermieterin, Susan Wojcicki, führt heute die Videotochter YouTube. Page war der erste Firmenchef – doch den Investoren war nicht wohl dabei, das Geschäft den beiden nicht einmal 30-jährigen Gründern zu überlassen. So wurde 2001 der Manager Eric Schmidt geholt. Für zehn Jahre, bis Page wieder das Steuer übernahm, wurden die Geschicke von einer Art „Troika“ gelenkt. Dennoch hatten die Gründer zum Beispiel die Freiheit, das Start-up hinter dem Smartphone-System Android zu kaufen.

Genauso ausgefeilt wie der Suchmaschinen-Algorithmus war auch die Google-Idee, wie man damit Geld verdienen kann: mit kleinen Anzeigen im Umfeld der Treffer – die dazu passen, wonach der Nutzer sucht. Bezahlt werden muss nur, wenn die Werbung angeklickt wird. Die Such-Anzeigen gelten nach wie vor als die Basis des Geschäfts von Google – und auch von Alphabet insgesamt. Im vergangenen Quartal erzielte die Konzernmutter insgesamt einen Umsatz von 32,7 Milliarden Dollar, davon waren gut 28 Milliarden Werbeerlöse von Google.

Zahlreiche Konflikte

Schon in den ersten Jahren wurde klar, dass sich die Ambitionen von Google nicht nur auf die Internet-Suche beschränken. Getreu dem Ziel, alle Informationen der Welt zu organisieren, fing man damit an, in großem Stil Bücher einzuscannen. Bei dem Projekt holten sich die Google-Gründer zum ersten Mal eine blutige Nase. Autoren und Verleger sahen Urheberrechte verletzt, zogen vor Gericht. Google Books kam danach nur zäh voran.

Weitere Konflikte folgten. Medienhäuser warfen Google vor, mit der kostenlosen Verbreitung von Nachrichten ihre Geschäftsgrundlage zu zerstören. Bewertungsdienste kritisierten, die Suchmaschine sauge ihre Inhalte ein. Preissuchmaschinen sahen sich benachteiligt.

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager griff zwei Mal hart durch. 2017 gab es mit dem Vorwurf des unfairen Wettbewerbs bei der Shopping-Suche eine Strafe von 2,4 Milliarden Euro. In diesem Juli folgte die Rekordstrafe von 4,34 Milliarden Euro für Googles Gebaren bei Android. Die Beträge verdaute Google mit Leichtigkeit – die Forderung, auf der Mobil-Plattform mehr Konkurrenz zuzulassen, könnte aber zur Bombe unter dem bisherigen Android-Geschäft werden.

Immer wieder kommen Datenschutz-Ängste auf. Weiß Google zu viel über seine Nutzer? Die Idee der Computer-Brille Google Glass scheiterte auch an der Sorge, ihre Träger könnten andere filmen. Kürzlich musste sich der Konzern rechtfertigen, weil Android-Telefone Ortungsdaten speichern – selbst wenn die Anwender es nicht möchten.

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