Wirtschaft

IAA Frankfurt Kaum Elektrofahrzeuge, zahlreiche SUVs / Kanzlerin Angela Merkel beklagt verloren gegangenes Vertrauen

Viele Fragen, wenige Antworten

Frankfurt.Drei Frauen bestimmen in dieser Stunde das Geschehen. Die jüngste hinterlässt den stärksten Eindruck. Violina, keine zehn Jahre alt, stellt bei der Eröffnungsfeier der 67. Internationalen Automobilausstellung IAA vor 2000 Gästen die spannendsten Fragen, etwa: "Brauchen wir noch einen Führerschein?" oder "Können Autos eines Tages denken?" Die Frage nach dem Diesel und der Umwelt hatten ihr die Verantwortlichen des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) aber nicht aufgeschrieben.

Auch Sheryl Sandberg, Geschäftsführerin von Facebook, zum ersten Mal bei einer IAA, spricht das Thema nicht an. Sie spendet aber Trost: "Wir sind die einzige Firma im Silicon Valley, die keine Autos baut." Sie will trotzdem mit den Autoherstellern kooperieren, in Sachen Digitalisierung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bleibt es vorbehalten, VDA-Präsident Matthias Wissmann, Daimler-Chef Dieter Zetsche, BMW-Chef Harald Krüger und vor allem VW-Chef Matthias Müller die Leviten zu lesen. Ein wenig jedenfalls.

Eine Brandrede ist es nicht, die Merkel hält, sie äußert Kritik, aber mit Bedacht. Schließlich wird die IAA an diesem verregneten Donnerstag im Saal Harmonie des Frankfurter Congress Centers eröffnet. Die Herren Automanager müssten aus Fehlern lernen, sich erneuern. "Einige Unternehmen haben Lücken exzessiv ausgenutzt. Auch wenn es nur einige Unternehmen betrifft, ist doch viel Vertrauen zerstört worden", sagt die Kanzlerin und blickt vor allem auf VW-Chef Müller. Jetzt gelte es, so schnell wie möglich Glaubwürdigkeit und Vertrauen zurückzugewinnen.

Wissmann, oberster deutscher Autolobbyist, gibt sich reuig. Es seien Fehler gemacht worden, die erkannt seien und "denen wir mit aller Konsequenz nachgehen". Und kann sich entspannen. Denn Merkel wird dann doch zumindest im Ansatz zur Autokanzlerin. Sie redet dem Diesel das Wort, natürlich dem sauberen. "Es geht kein Weg daran vorbei, dass wir auf Jahrzehnte noch Verbrennungsmotoren brauchen und gleichzeitig in neue Antriebstechnologien investieren." Ein Entweder-oder helfe nicht. "Wir brauchen beides" ruft Merkel Wissmann und den Automanagern zu. "So können wir Fahrverbote für den Diesel verhindern", sagt sie - und die Herren nicken. Fahrverbote seien ein Eingriff in Eigentum und Mobilität.

Schön und nicht gerade sauber

Dann stapft Merkel durch die Hallen, schaut sich einige der gerade mal 30 derzeit käuflichen Elektroautos deutscher Hersteller an - und das, was noch kommen soll. BMW, Ford, Opel, Bosch, Schaeffler, Audi, VW und Mercedes gehören zu den traditionellen Anlaufpunkten.

Vor dem Eingang wettert derweil Jürgen Resch, Chef der Deutschen Umwelthilfe, im Dauerregen gegen den Diesel. Vor allem schmutzige Diesel-SUVs würden in den Hallen gezeigt. Und viel zu wenige Elektroautos, poltert Resch. "Die Zahl deutscher Elektromodelle ist 2017 sogar geschrumpft, bei SUVs hat sie sich verdoppelt." Resch fordert Merkel auf, die Konzerne endlich an die Kandare zu nehmen. Die schaut sich währenddessen drinnen auch die schönen neuen und nicht gerade sauberen SUVs an.

Zum Thema