Wirtschaft

Handel Neuostheim und Neuhermsheim gelten als ruhig / Geschäfte konzentrieren sich auf Dürerstraße und Gerd-Dehof-Platz

„Viertel zum Wohnen und Schlafen“

Mannheim.Ein bisschen mehr Kundschaft wäre schon wünschenswert, sagt Ahmad Mosamem. Seinem Vater gehört ein kleines Lebensmittelgeschäft in der Dürerstraße in Neuostheim. Ohne die Post, glaubt der junge Mann, „würden wir hier keine drei Monate überleben“. Es gibt Obst und Gemüse, Feinkost, diverse Nahrungsmittel. Gleichzeitig bietet die Familie Zeitschriften und Schreibwaren an – und nimmt als Poststelle Päckchen und Briefe entgegen. Ahmad Mosamem wünscht sich mehr Geschäfte am Standort: „Wenn es etwa noch einen Metzger gäbe, dann würden die Leute vielleicht auch gleich Gemüse holen.“ So jedoch führen viele gleich zu den Supermärkten und Discountern an der Seckenheimer Landstraße.

„Neuostheim und Neuhermsheim sind Viertel zum Wohnen und Schlafen“, sagt Ralf Knapp von der Aktionsgemeinschaft der Gewerbetreibenden Mannheim-Ost. „Was die Bewohner hier konsumieren, kaufen sie größtenteils außerhalb ein.“

Markus Wenzel allerdings ist zufrieden mit der Entwicklung des Standorts. Er ist einer der Inhaber des Optik-Studios, das seit mehr als 20 Jahren in Neuostheim besteht. „Durch die neuen Bürogebäude der ,Eastside’ ist mehr Kundschaft dazugekommen“, bemerkt er. Und nicht alle Gewerbetreibenden wünschten sich ein Geschäft in der Innenstadt: wegen der hohen Mieten, der vielen Mitbewerber.

Treffpunkt Arkaden

Vor einer der Bäckereien in der Dürerstraße sitzt Klaus Schimmelpfennig. Der Rentner ist in Neuostheim geboren. „Das hier ist eben eher ein Wohngebiet“, findet auch er. Dass es wenig gebe, sei kein Problem. „Wenn man ein Auto hat“, ergänzt er. „Hier gibt es doch gar nichts“, kritisiert hingegen sein Freund Henry Hess aus Feudenheim. „Das sagen die Eingereisten“, frotzelt der „Gastgeber“ und betont, dass er alles im Viertel erledigt. „Die Innenstadt kenne ich nur noch vom Hörensagen.“

Noch weniger Geschäfte finden sich im Nachbarstadtteil Neuhermsheim. Hier konzentriert sich alles auf die Dehof-Arkaden: ein „Netto“ etwa, ein Fliesengeschäft, ein Zeitschriftenkiosk, ein Italiener. Lea Hammermeister wohnt seit Dezember 2016 im Stadtteil, ist von der Schwetzingerstadt hergezogen. „Auf den zweiten Blick gibt es hier ganz nette Möglichkeiten, mit der Familie etwas essen zu gehen“, findet die 34-Jährige: „in der Pizzeria ,Toskana’ und bei den ,Gartenfreunden’.“ Und der „Netto“ decke den täglichen Bedarf an Lebensmitteln. „Was definitiv fehlt, ist ein nettes Café.“

Eher zufällig ist das Fliesengeschäft von Francisco Lopez und Geraldine Müller am Dehof-Platz gelandet. „Wir wohnen im Stadtteil und haben hier Parkplätze vor der Tür“, sagt Lopez. Ihre Arbeit sei nicht standortgebunden. „Wir leben nicht von Laufkundschaft.”

Auf dem Parkplatz vor dem Laden räumt Helga Leukers Einkäufe in den Kofferraum. Mit dem „Netto“ ist sie nicht so glücklich – und statt Fliesen wünscht sie sich frisches Gemüse. Man könne aber nicht alles haben, sagt die Rentnerin. „Hinten Berge, vorne See.“ Sprich: ruhiges Wohnen und belebte Einkaufszone.