Wirtschaft

Porträt Christian Sewing gilt als entscheidungsfreudig und frei von Allüren / Manager kam mit 19 Jahren zum Institut

Vom Auszubildenden nach ganz oben

Archivartikel

Frankfurt.Jetzt ist Christian Sewing im Spiel. Der 47-jährige, in der Öffentlichkeit relativ unbekannte Chef des Privat- und Firmenkundengeschäfts der Deutschen Bank, soll als neuer Vorstandschef das Institut nach drei Verlustjahren wieder zurück auf Erfolgskurs führen. Erstmals seit dem früheren Bankchef Rolf Breuer säße damit wieder ein Manager in der Topetage, der das Geldhaus von Beginn seiner Karriere an kennt.

Sewing, Vater von vier Kindern, wollte ursprünglich Sportjournalist werden. Aber für die Journalistenschule konnte er sich nicht qualifizieren. Also entschied er sich um – und ging schon mit 19 Jahren zur Deutschen Bank in die Filiale nach Bielefeld. Er kennt das Institut also wie kaum ein anderer, zumindest das Privatkundengeschäft und das Geschäft mit dem Mittelstand. Ob Sewing den tiefen und notwendigen Einblick in das Investmentbanking hat, ist dagegen fraglich.

Der Westfale hat in Bielefeld und Hamburg studiert. Nur zwischen 2005 und 2007 ist der Deutschen Bank untreu gewesen. In dieser Zeit sitzt Sewing im Vorstand der Deutschen Genossenschafts-Hypothekenbank. Sonst gibt es für ihn nur die Deutsche Bank – mit Führungspositionen in Frankfurt, Singapur, Toronto, Tokio und London. Anfang 2015 zieht der schlanke Brillenträger er in den Vorstand ein, zunächst für den Bereich Recht, seit Juni 2015 leitet er die Sparte für Privat- und Geschäftskunden mit rund 27 Millionen Kunden.

Vor allem der Abbau von rund 200 Filialen und von rund 4000 Stellen waren Sewings Hauptaufgabe in den letzten eineinhalb Jahren. Die Integration der Postbank – nachdem der Verkauf oder Börsengang doch wieder abgesagt wurde – kam als Aufgabe dazu. Nach außen ist der Familienvater bislang kaum in Erscheinung getreten. Ein paar Sätze auf der Jahres-Pressekonferenz, im vergangenen Jahr Erläuterungen zur angeblich gut laufenden Integration der Postbank. Mit mehr ist Sewing am Finanzplatz Frankfurt noch nicht in Erscheinung getreten.

Bescheidener Sportfan

Menschen, die mehr mit ihm zu tun haben, bezeichnen ihn als frei von Allüren, der angeblich in Frankfurt schon mal die S-Bahn genommen hat, zumindest bis vor zwei Jahren. Er sei bescheiden, heißt es über den Hobby-Tennisspieler. Sewing setze auf Inhalte und schrecke auch vor schwierigen Entscheidungen nicht zurück.

Der Fan des Fußballmeisters Bayern München wohnt unter der Woche in Frankfurt und pendelt am Wochenende zu seiner Familie, die derzeit in Osnabrück (Niedersachsen) lebt. (mit dpa)