Wirtschaft

Auto Schwacher Jahresstart für Hersteller / Vorstandschef Michael Lohscheller will aufs Tempo drücken / Wachsende Ungeduld bei Mutterkonzern PSA

„Vor Opel liegt noch ein harter Weg“

Archivartikel

Rüsselsheim.Opel-Chef Michael Lohscheller gibt sich optimistisch. „Ich bin absolut überzeugt, dass wir im Unternehmen selbst die Kraft haben, uns aus der aktuellen Situation heraus positiv zu entwickeln.“ Der seit zehn Monaten amtierende erste Mann in Rüsselsheim macht sich aber keine Illusionen. „Vor uns liegt noch ein harter Weg.“ Vorgegeben vor allem durch den französischen Autokonzern PSA, der Opel im August vergangenen Jahres von General Motors übernommen hat. Seit 1999 schreibt Opel ohne Unterbrechung rote Zahlen, auch im vergangenen Jahr dürfte es ein sattes Minus gegeben haben, auch wenn PSA und Opel dazu nichts sagen.

Auch das laufende Jahr wird schwierig. „Der Start ins Jahr 2018 war durchwachsen, jetzt müssen wir zulegen“, sagt Lohscheller. Klartext spricht die Zulassungsstatistik des Kraftfahrbundesamtes: Im März sind 21 147 Opel-Modelle neu auf die Straße gekommen – satte 23,4 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Und auch für die ersten drei Monate weist die Statistik ein Minus von 8,2 Prozent aus. Das kann Lohscheller ebenso wenig gefallen wie PSA-Chef Carlos Tavares. Beide rechnen in diesem und im nächsten Jahr noch einmal mit Verlusten. 2020 soll dann nach 21 Jahren endlich wieder ein Betriebsgewinn in der Bilanz stehen.

Das Umbau-Programm PACE läuft, erste Sparmaßnahmen greifen, Opel erschließt neue, allerdings überschaubare Exportmärkte, etwa in Namibia, in Südafrika, Tunesien, Marokko und dem Libanon.

Das Hauptproblem aber sind die Kosten vor allem in den deutschen Werken. Pro Mitarbeiter verkaufte Opel rund 30 Autos im Jahr, bei PSA mit den Marken Peugeot, Citroen und DS seien es 35, rechnen die Experten des Center Automotive Research der Uni Duisburg-Essen vor.

Altersteilzeit ausgeweitet

Deren Schätzungen zufolge hat Opel mehrere Tausend Mitarbeiter zu viel an Bord. Mit Kurzarbeit versucht Opel seit Jahresanfang gegenzusteuern, seit 1. April gilt in etlichen Bereichen die 35- statt der 40-Stunden-Woche. Die Altersteilzeit wird ausgeweitet. Ende März haben sich Geschäftsleitung und Betriebsrat auf ein freiwilliges Abfindungsprogramm geeinigt. Es soll um Beträge von bis zu 275 000 Euro gehen.

Immerhin hat PSA dem Opel-Entwicklungszentrum in Rüsselsheim und seinen 7000 Ingenieuren und Experten weitere wichtige Kompetenzen für die Entwicklung von wichtigen Teilen übertragen. Aber Entscheidungen über Investitionen in die deutschen Werke in Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern mit insgesamt rund 8000 Produktionsmitarbeiten stehen noch aus.

„Es gibt keinen Plan, Deutschland bei den Investitionen auszusparen“, versichert Lohscheller. Gesamtbetriebschef Wolfgang Schäfer-Klug fordert „konstruktive“ Vorschläge für Investitionen auch in die deutschen Werke, betont, dass die Beschäftigten schon erhebliche Zugeständnisse geleistet hätten. „Wir akzeptieren keine nachgereichten Bedingungen für Verträge, die von PSA anerkannt, übernommen und rechtskräftig sind.“ Allerdings gilt der dort festgezurrte Kündigungsschutz nur noch bis Ende des Jahres.